Mittwoch, 1. Juli 2026

Lucky und die Verschwörung des Wassers

Die Wiese ist völlig durchnässt. Kaum setzt Izzy einen Fuß hinein, zieht sie mich hinterher. Mit jedem Schritt gibt der Boden schmatzend nach. Meine Socken sind verloren. Dabei wollte ich den Wäscheberg endlich schrumpfen lassen.

Aus dem nassen Gras flattern kleine Schmetterlinge auf. Wohin sie fliehen, bleibt ihr Geheimnis. Die Luft klebt auf der Haut. Der Pullover um meinen Hals wird schwer, das Unterhemd haftet am Rücken. Selbst die Insekten schwirren heute dicht über dem Boden.

Die nasse Wiese erinnert mich sofort an das Gewitter von gestern. Zum ersten Mal seit Tagen konnten die Fenster und Rolladen die ganze Nacht offen bleiben. Das Wasser der Klimaanlage hatte sich dafür quer über den Holzboden verteilt. Ausgerechnet Lucky hatte diesmal keinen Alarm geschlagen.

Kaum grollt der Himmel, verschwindet er sonst im letzten Winkel der Wohnung. Hinter der Badezimmertür oder unter dem Bett scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Izzy hält nicht viel vom Versteckspielen. Sie drückt sich lieber an meine Beine und achtet darauf, dass zwischen uns keine Handbreit Platz bleibt. Am liebsten natürlich genau dann, wenn ich am Esstisch sitze.

Lucky balanciert lieber am Rand der Wiese entlang. Wasser gehört eindeutig nicht zu seinen Freunden. Selbst im Bach geht er höchstens bis zu den Krallen. Vielleicht sollte er seine Vorsicht auch auf Geräusche ausdehnen.

Kaum ist das Gewitter vorbei, übernimmt er wieder das Kommando. Alle Fenster stehen offen, und Lucky erzählt Gott und der Welt sämtliche Neuigkeiten. Wann ich ins Bett gehe. Wer am Haus vorbeiläuft. Und vermutlich auch, was es zum Abendessen gab.

Dann legt er sich unter das Bett und lauscht. Durch das offene Fenster entgeht ihm kein Geräusch. Jedes Klappern, jedes Bellen und jeder vorbeigehende Hund wird kommentiert. Izzy rollt sich derweil am Fußende zusammen. Ich greife vorsorglich nach meinen Ohrstöpseln. Sollte Lucky jetzt noch therapeutische Sitzungen mit vorbeiziehenden Hunden eröffnen, lässt sich das Honorar vielleicht noch aushandeln.

Auf dem Rückweg sucht Lucky wieder den trockensten Streifen des Feldwegs. Ich dagegen höre schon die Waschmaschine laufen.

Liebe Grüße
Mike Melonte




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