Urlaub bringt mir einen Hauch von Freude. Das Glücksgefühl wandert mit in den Koffer. Ein Blick hinein genügt.
Die kurzen Hosen drücken sich an den Föhn. T-Shirts umschlingen die Kulturtasche. Kurz überlege ich, was noch fehlt, und hole meine Liste für alle Eventualitäten hervor. Erleichtert stelle ich fest: fast alles abgehakt.
Jetzt noch schnell zur Bank ein paar Noten abheben. In der Zwischenzeit telefoniere ich mit einer Freundin. Sie will auch in den Urlaub. Seit Jahren verbringt sie ihre Ferien auf dem Balkon, weil ihr Mann sehr sparsam ist. Eigentlich verdient sie ihr eigenes Geld.
Mein Gewissen meldet sich zu Wort. Ich könnte mit ihr auch einmal einen gemeinsamen Urlaub machen. Mallorca vielleicht. Mein Mann hat nichts für das Mittelmeer übrig. Außerdem, was soll er dort machen? Den Schweißperlen beim Fließen zusehen?
Im Grunde sollte meine Freundin ihren Mann am Straßenrand aussetzen. Er ist ja kein Hund. Sein Geiz bringt seit Jahren keinen Mehrwert. Andererseits geht mich das nichts an. Manche Ehen funktionieren – nur nach welchen Regeln? Als Außenstehende muss ich die nicht verstehen. Vielleicht gehört getrennt zahlen bei ihnen längst zur Ehe wie die Fernbedienung zum Couchtisch.
Nebenbei suche ich meine Sommerschuhe. Slipper. Sandalen. Irgendetwas, das nach Urlaub aussieht. Worst Case: Die Sandalen sind verschwunden.
Ich schaue im Keller nach. Nichts. Auf der Bühne. Fehlanzeige. Im Schrank. Ebenfalls nichts.
Falls ich die Schuhe nicht finde, laufen meine Füße im Schweiße ihrer Zehen in Turnschuhen herum. Wandertag, kulturelle Veranstaltungen, Sommerkleid und Nike. Das Gelächter höre ich schon jetzt. Wahrscheinlich werde ich als einzige Frau der Reise aussehen, als hätte ich mich für eine Alpenüberquerung statt für Urlaub angemeldet.
Es klingelt an der Tür. Meine Schuhe müssen warten. Meine Freundin steht davor und heult. Hätte sie noch zehn Minuten länger geweint, wäre der Meeresspiegel messbar angestiegen.
„Er hat unser Telefonat gehört und mich rausgeschmissen.“
Ich nehme sie in den Arm. Die Alkoholfahne trifft mich mit solcher Wucht, dass ich kurz nach dem Türrahmen greifen muss.
„Komm rein“, sage ich.
Torkelnd
betritt sie den Flur. Dort angekommen übergibt sie sich auf die
frisch verlegten Bodenfliesen.
Für
einen Moment betrachte ich das Werk. Dann betrachte ich die Fliesen.
Die Fliesen verlieren. Ich
rufe ihren Mann an. Er
macht sich Sorgen. Offenbar kennt er das Problem bereits.
Als
er sie abholt, stützt er sie mit routinierter Gelassenheit zum Auto.
Ich verspreche ihr einen gemeinsamen Urlaub. Nur wir zwei. Nachdem
beide verschwunden sind, stehe ich wieder allein im Flur.
Putze alles weg. Meine Sandalen bleiben unauffindbar. Für eine Wochenendkatastrophe genügt dagegen ein einziges Telefonat.
Servus
Mike Melonte


