Freitag, 27. Februar 2026

Masche für Masche – kleine Geschichten aus dem Alltag

 

Alltagsheld – Das Spültuch

In der Reihe zu stehen gefällt Anja überhaupt nicht. Dieser Flaschenautomat ist das Letzte. Ständig ist er mit irgendwelchen technischen Problemen behaftet. Das Personal scheint wie in Trance zu laufen. Jedenfalls ist der junge Mann weit davon entfernt, jemals sein Leben in den Griff zu bekommen. Seine Hose hängt ihm halb über der grünen Unterhose. Wer trägt schon einen grünen „Liebestöter“?

Anja ist genervt von der unfreundlichen Bedienung, der kaltschnäuzigen Aufmerksamkeit gegenüber den Kunden und der Art, wie sich die Angestellten hier präsentieren. Sie ist kurz davor zu platzen.

Da dreht sich ein Mann um.

„Sie müssen mir nicht ins Genick husten. Das ist sehr unangenehm, wissen Sie.“

„Ich habe Ihnen überhaupt nicht in den Nacken geatmet. Wie kommen Sie dazu, solche Anschuldigungen zu machen? Ich stehe hier auch nur herum und vergeude meine Zeit.“

Ungläubig schaut sie der etwa 1,80 Meter große, grauhaarige Wuschelkopf mit seinen grünen Augen an.

„Wissen Sie eigentlich, wie unhöflich Sie sind? Wären Sie meine Frau, würde ich Sie erst einmal nach Hause schicken. Kommen Sie doch wieder, wenn Sie sich beruhigt haben.“

Mit einer Hitzewallung, die sich in roten Wangen zeigt, stellt sie ihm eine Gegenfrage:

„Sie stehen hier, weil Sie was tun?“

„Flaschen abgeben – wie Sie auch, oder?“

„Ich stehe schon seit zehn Minuten hier. Und Sie?“

Er ignoriert ihre barsche Art.

Anja schämt sich ein wenig. Nein, so hatte sie sich den Tag heute nicht vorgestellt. Stress mit ihrer Chefin, weil sie einen Termin verdaddelt hat – und jetzt noch ein Einlauf von einem völlig Fremden.

Sie atmet einige Male tief durch.

Zu Hause liegt ein Geschenk von den Kollegen aus dem Büro: Wolle in gelber und lilaner Farbe.

„Strick uns doch Spültücher“, haben sie lachend gesagt.

Ja, das wäre wirklich eine nachhaltige Idee.

Doch zuerst muss sie hier noch ausharren – bis der Getränkeautomat endlich wieder funktioniert.

Endlich rattert die Maschine wieder los. Flasche für Flasche verschwindet im Schlund des Automaten.

Als der Bon ausgedruckt wird, greift Anja danach, schaut kurz auf den Betrag und muss plötzlich schmunzeln.

So viel Aufregung wegen ein paar Flaschen.

Vielleicht ist es wirklich Zeit für etwas Sinnvolleres.

Zu Hause wartet schließlich ein kleines Stück Baumwolle darauf, zum Alltagshelden der Küche zu werden –
ein einfaches Spültuch, das wenigstens still und zuverlässig seine Arbeit tut.

Ganz ohne zu meckern.

Herzliche Grüße
Mike Melonte
 

Mittwoch, 25. Februar 2026

Verborgene Spur

Vergnügt huscht ein Eichhörnchen auf Futtersuche durch das feuchte Laub. Raschelnd trippelt es den Stamm einer Buche hinauf, während ein Schwarm Vögel laut über die Baumwipfel hinwegzieht.

Carla Merten ist ebenfalls auf Spurensuche. Nicht nach Abenteuern. Nach Antworten.

Vom Freund verlassen, in Reitstiefeln und Winterjacke, mit roten Ohren vom kalten Wind, stapft sie kurz nach Tagesanbruch durch den Wald.
Wie kann ein Mann sich derart verhalten?
Per WhatsApp zu schreiben: „Werde versetzt. Beende die Beziehung.“ Das ist kein Abschied. Das ist eine Kriegserklärung.

Der Waldweg ist feucht; die Nacht über hat es ordentlich geregnet. Von Ästen, die sich über den Pfad neigen, tropfen schwere Wassertropfen herab. Moosiger Boden wechselt zu steinigem, morastigem Untergrund. Jeder Schritt hinterlässt eine Spur.

Der Tag ist noch jung, redet sie sich ein. Und vielleicht ist das hier der Anfang von etwas Neuem. Zumindest ist Bewegung ein Motor, der sie an die frische Luft treibt. 

Carla will diesen Winterspeck loswerden. Die Röllchen um ihren Bauch bleiben hartnäckig. Jede Hose zwickt an der Hüfte. Alles würde sie tun, um wieder begehrlich zu wirken. Attraktiv und Sichtbar.

Schnelles Laufen ist ihr unmöglich. Immer wieder bleibt sie im Schlamm stecken. Nach einer Stunde im Nadelwald hat sich ihr Cortisolspiegel beruhigt. Das Gedankenkarussell dreht langsamer. Der Duft von Tannennadeln lässt sie tiefer atmen.

Dennoch kippt plötzlich die Stimmung. Der Wald wird still. Kein Vogelgezwitscher. Kein Reh im Unterholz. Nur Wind mit einer seltsamen Ruhe.

Ein warnender Satz ihrer Freundin Gerdi fällt ihr ein:
„Wenn du nachts nochmal ohne Licht Fahrrad fährst, schicke ich dir eine Streife – ohne Worte, versteht sich.“

Gerdi, die am hintersten Zipfel der Welt lebt und Tiere missioniert. Oder Menschen? Carla ist sich nicht mehr sicher. Aber diese Freundin fehlt - gerade jetzt.

Was macht sie eigentlich morgens um kurz vor acht allein im Wald?
Niemand würde sie finden, wenn sie stürzte. Montagmorgens irrt hier keiner umher. Keine Polizisten suchen nach einer deprimierten Frau mit Sportambitionen.

Die lauernde Ruhe weicht einem Knacken im Unterholz. Ahnungslos geht sie weiter und hört nicht zu. In ihren Gedanken gefangen, beseelt von Statistik. Verfangen in Ihrem Lieblingsthema. Büroarbeit 5.0 ist mehr als Sicherheit und Zahlen. Lebensqualität auf Kleidergröße 48 erweitert ist eine Falle. Niemand sieht sie.

Dann spürt sie die Beobachtung.

Ein dunkler Schatten weit hinter ihr. Sie erkennt die aufgestellten Ohren, das zottelige Fell. Ist das ein ausgerissener Hund? Er ist groß. Im Stockmaß reicht er ihr bis über die Knie.

Ihr Herz rast.
Plitsch, platsch spritzt Schlamm gegen ihre schwarze Hose als Sie das Tempo aufnimmt, rennt. Zu allem Überfluß setzt Regen ein. Die schwarze Wolke entlädt sich über ihr. Für einen Moment wagt sie den Blick über die Schulter.

Kein Hund! Ein Wolf.

Er folgt ihr. Ruhig. Berechnend. Im sicheren Abstand.

Außer Atem will sie nur noch weg. Raus hier aus diesem gefährlichen Wald.

Sie beschleunigt und bleibt an einer Wurzel hängen.
Stürzt nach vorn, bleibt mit ihrem Schmerz liegen.

Der Wolf bleibt dicht auf der Ferse.

Und in diesem Moment passiert etwas Seltsames.

Carla beginnt in Gedanken zu häkeln.

Masche für Masche.
Rot. Die gleiche Anleitung in Blau und Grün.
Luftmaschen, feste Maschen – im Kreis. Wiederholend.
Einen Seifenuntersetzer. Ja, zugern würde sie sich die Hände waschen… .

Eine verborgene Spur aus Garn führt sie aus dem Chaos.
Ordnung kehrt in ihre Gedanken.
Stille. Aus dem aufgeweichten Boden entsteht Struktur im Morast.

Der Wolf beobachtet sie weiterhin. Bleibt stehen. Läuft weiter.

Am Waldrand taucht ein Mann auf. Er hebt den Kopf, sieht sie – sieht den Schatten hinter ihr.

Greift nach seinem Gewehr.
Zielt.
Drückt ab.

Liebe Grüße
Mike Melonte



Samstag, 21. Februar 2026

🧶 Häkel mit! Alltagshelden – nachhaltig & kreativ


Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Alltag schöner machen.
Eine selbstgehäkelte Seifenunterlage.
Ein Waschlappen aus Baumwolle.
Ein Spültuch, das Plastik ersetzt.

In meinem neuen Kurs an der VHS Tübingen zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du praktische Helfer für dein Zuhause selbst herstellst – auch als Anfänger*in machbar 💛

✨ nachhaltig
✨ entspannend
✨ sinnvoll
✨ handgemacht

📍 VHS Tübingen
📅 Start: 11. März 2026

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, etwas mit den eigenen Händen entstehen zu lassen.

Ich freue mich auf dich!
🧶


 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Die Amigurumi-Familie wächst – und sie will leben!

Autoren: Anett Waßmann, Spaß mit Faden, 
NiggyArts - Häkelliebe
Gehäkelt by Ela

Ja, sie sind nicht perfekt. Aber in welcher Familie ist schon alles in Ordnung?

Die Herausforderungen des Lebens hinterlassen Spuren – so wie bei diesen selbstgehäkelten Amigurumi-Figuren.

Von der Anleitung bis zur Fertigstellung erzählt jede Masche davon, wie im Abendlicht Reihe um Reihe entsteht – mit dunkler Wolle, Geduld und einem Lächeln zwischendurch. (Ein Glas Tee bewirkt manchmal Wunder.)

Die VHS in Tübingen wird wieder einen Kurs anbieten. Mich hat diese Idee beflügelt, mir viel Energie geschenkt – und am Ende habe ich sie alle in mein Herz geschlossen.

Vielleicht hast auch du Lust, dich darauf einzulassen.
Auf Zeit für dich.
Und auf eine kleine Familie, die langsam unter deinen Händen entsteht.

Liebe Grüße
M. Melonte

 

Dienstag, 27. Januar 2026

Mutige Katze

Heute habe ich eine Katze auf den Bahngleisen gesehen.
Die Signale standen bereits auf Grün, ein Zug sollte einfahren.
Ich wollte sie verscheuchen – aus Sorge um sie.

Für einen Moment aber blieb ich stehen und bewunderte ihren Mut. Wie selbstverständlich sie dort saß, mitten im Risiko, wachsam und frei.
Und ich dachte: Könnte ich nur auch so mutig sein.
Einmal etwas wagen. Etwas riskieren. In die Handlung kommen.

Und – wenn es zu viel wird – im nächsten Augenblick einfach auf und davon rennen.

 Wünsche allen eine schöne Woche!

 

Liebe Grüße

M. Melonte 

Sonntag, 25. Januar 2026

Ludwig, der Erste 🐧🧶

 Von Pinguinen und neuen Wegen

Manchmal beginnt etwas Neues ganz unscheinbar.
Mit einer kostenlosen Anleitung, ein paar Maschen – und einem kleinen Tier, das nun einen Namen von meiner Familie bekommen hat. 

Ludwig, der Erste, ist so zu mir gekommen.
Ein Pinguin, der nun den Weg in meinen letzten Kurs gefunden hat.

Pinguine erinnern mich daran, dass man nicht elegant sein muss, um seinen Weg zu gehen.
Dass man stolpern darf.
Dass Gemeinschaft wärmt.
Und dass Geduld am Ende belohnt wird.

Im Kurs wird Ludwig viele Geschwister bekommen.
Und vielleicht steht am Ende nicht nur eine Reihe kleiner Pinguine auf dem Tisch – sondern auch das stille Glück, etwas mit den eigenen Händen erschaffen zu haben.
Häkeln macht Spaß!

Liebe Grüße
M. Melonte