Sonntag, 11. Oktober 2026

Der Sonntag

Aufräumen ist eine unglaublich aufwendige Angelegenheit. Alles, was über Wochen, Monate oder gar Jahre liegen geblieben ist, soll plötzlich einen festen Platz bekommen. Dabei hat es sich an seinem bisherigen Standort offenbar recht wohlgefühlt. Niemand hat sich beschwert, und solange man nichts gesucht hat, war auch alles vorhanden.

Ausgerechnet die Tonne, mit der ich die kalte Asche aus dem Schwedenofen entferne, ist verschwunden. Ich durchsuche sämtliche Ecken, schaue in jedes Zimmer und unter Regale. Eine Aschentonne löst sich schließlich nicht einfach in Luft auf.

Heute ist Sonntag, und ich nehme mir die Kartons vor, die noch überall herumstehen. Nicht aus freien Stücken, sondern weil unser Haus inzwischen eine eigene Vorstellung davon entwickelt hat, wo wir unsere Sachen unterzubringen haben. Eigentlich geht es nur darum, ein Zimmer zu renovieren. Was daraus geworden ist, könnte man als innerhäusliche Völkerwanderung bezeichnen.

Angefangen hat alles mit den Mäusen in der Garage. Die kleinen Nager hatten sich dort häuslich eingerichtet und ihre Hinterlassenschaften großzügig verteilt. Wir haben ausgeräumt, geputzt und entsorgt. Was noch brauchbar erschien, wanderte in den Keller. Damit war die Garage wieder frei und der Keller entsprechend voller. Immerhin hatten wir das Problem erfolgreich verlagert.

Nun hat sich in einem Zimmer Schimmel gebildet. Das Zimmer muss renoviert werden, und ich werde vorübergehend in einem anderen schlafen. Dafür müssen die Winterkleider aus dem Nordzimmer verschwinden. Die Sommersachen sollen auf die Bühne, wofür dort wiederum Platz benötigt wird. Die halbe Bühne ist inzwischen frei, die andere Hälfte steht zum Glück nicht bis unter die Decke. Man muss schließlich auch die kleinen Erfolge feiern.

So kommt es, dass ich an einem Sonntag zwischen Kartons stehe und mich frage, wie viele Zimmer man eigentlich benötigt, um ein einziges Zimmer renovieren zu können.

Bewerbungsunterlagen aus längst vergangenen Zeiten, Zeitungsausschnitte und Zeitschriften finden ohne größere Diskussion den Weg in die Papiertonne. Bei anderen Gegenständen fällt die Entscheidung schwerer. Die Kategorien heißen: Restmüll und Gelber Sack. Eine dritte Kategorie bildet sich ganz von selbst: Vielleicht kann man es irgendwann noch gebrauchen. Sie ist mit Abstand die beliebteste und erklärt vermutlich, weshalb unser Haus überhaupt so viele Kartons beherbergt.

Besonders Bilder haben es schwer. Sie benötigen einen neuen Platz. Ich überlege, ob sich das Problem durch zusätzliche Wände lösen ließe. Andererseits würde das vermutlich nur neue Möglichkeiten schaffen, Dinge aufzubewahren, die niemand mehr benötigt.

Bereits am vergangenen Sonntag habe ich gemeinsam mit meiner Tochter ihre Schulunterlagen gesichtet. Ganze Jahrgänge aus der Grundschule und dem Gymnasium haben hier überdauert. Arbeitsblätter, Hefte und ganze Ordner, die vermutlich niemand mehr lesen wird, liegen ordentlich übereinander. Erstaunlich, wie sorgfältig man Dinge aufbewahrt, die man im wirklichen Leben nie wieder benötigt. Vermutlich aus dem Gefühl heraus, dass etwas, in das so viel Arbeit geflossen ist, unmöglich wertlos geworden sein kann.

Wir lachten über manche Einträge, wunderten uns über andere, und plötzlich tauchten Erinnerungen auf, die sich nicht so einfach entsorgen ließen wie ein alter Mathematiktest. Einige davon waren traurig. Mir stiegen Tränen in die Augen, als ich begriff, wie oft ich meiner Tochter etwas abgenommen hatte, das sie durchaus selbst hätte bewältigen können. Vielleicht hätte ich sie früher selbstständiger werden lassen sollen.

Heute hat sie eine eigene Wohnung, einen anstrengenden Beruf und reist durch die Welt. Sie hat sich prächtig entwickelt, ganz ohne meine ständige Aufsicht. Vermutlich hätte ich mir manche Sorge sparen können. Die Jahre, in denen ich glaubte, alles im Blick behalten zu müssen, bekomme ich ohnehin nicht zurück. Meine Tochter braucht meine Aufsicht längst nicht mehr, während ich noch immer ihre alten Schulhefte bewache.

Schließlich landete der Ordner auf dem Stapel mit dem Altpapier. Die Erinnerungen bleiben. Erstaunlicherweise benötigen sie keinen Lagerplatz.

Am heutigen Nachmittag ist wieder ein guter Teil der Kartons geleert. Vor der Haustür wartet das Altpapier auf seine Entsorgung, der Gelbe Sack ist gut gefüllt, und manches hat tatsächlich einen neuen Platz gefunden. Anderes wartet noch auf eine Entscheidung. Schließlich soll man nichts überstürzen, was bereits jahrelang erfolgreich aufgeschoben wurde.

Im Keller stehen weiterhin die Gegenstände aus der Garage, und die Garage selbst sieht inzwischen ganz passabel aus. Allerdings steht dort nun ein Boot. Ein Auto hätte natürlich auch hineingepasst, aber das wäre vermutlich zu gewöhnlich gewesen. Vielleicht liegt darin die eigentliche Kunst des Aufräumens: Man schafft Platz für Dinge, die vorher gar nicht dort standen.

Langsam wird es Abend. Ich bin müde, aber zufrieden. Eine neue Ordnung ist entstanden, zumindest dort, wo ich heute gearbeitet habe. Merkwürdigerweise habe ich das Gefühl, auch in meinem Kopf sei wieder mehr Platz. Vielleicht muss man tatsächlich erst einiges loslassen, bevor man klarer sieht.

Die Aschentonne ist allerdings immer noch verschwunden. Ich könnte im Keller danach suchen, müsste dafür aber zunächst die Kartons aus der Garage beiseiteräumen. Die könnte ich vorübergehend auf die Bühne stellen. Dort ist schließlich wieder Platz.

Ich beschließe, die Suche auf nächsten Sonntag zu verschieben. Langsam entwickelt sich das Aufräumen zu einer festen Sonntagsbeschäftigung. Andere gehen spazieren, besuchen Freunde oder legen die Füße hoch. Ich besichtige den Hausrat und entscheide über seine Zukunft.

Immerhin brauche ich mir über meine Sonntagsgestaltung vorläufig keine Gedanken mehr zu machen.

Wünsche allen eine schöne Woche!
Mike Melonte

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Die Risottobraut

Fast gelingt der Übergang vom Tausch Arbeit gegen Geld in einen schönen Lebensabend. Dann kommt urplötzlich der nächste Meilenstein. Schließlich kann nicht jeder im Bentley über die Alpen fahren. Wenige tun es trotzdem, allen Ratschlägen zum Trotz.

Was beginnt eigentlich hinter dem Balkan? Die Menschen fahren Auto wie in Europa auch. Sie essen, vielleicht andere Speisen und zu anderen Zeiten. Aufgebrezelt für das Abenteuer hängt die Goldkette um meinen Hals, am Ringfinger sitzt der Diamantring. Das Weißgold glänzt in der Sonne. Die beige Hose sitzt locker auf den Hüften und gibt unglaublich etwas her. Es ist der gerade Schnitt. Es müssen schließlich nicht immer die X-Beine gezeigt werden. Immerhin soll die Reise in bleibender Erinnerung bleiben.

Noch ist das Auto unterwegs. Die Berge wirken nicht bedrohlich, die Sonne lächelt ihr schönstes Lächeln, obwohl der Sommer sehr unter dem Wasserverlust von oben zu kämpfen hat. Die Landschaft zieht vorbei und mit ihr dieses wohlige Gefühl des Reisens. Einmal weit weg, das ist der Plan. Wie lange es dauert, spielt vorerst keine Rolle. Natürlich hätte es noch weiter sein dürfen, aber der Flieger wollte das Auto nicht transportieren. Mit dem Ballon hätte ich noch eine Ausbildung gebraucht, und den Flugschein könnte ich mir zwar überlegen, aber so schnell würde es mit der Umsetzung vermutlich nichts werden. Immerhin hat die Reise bereits begonnen.

Aus dem Bentley, der zeitlebens ein Wunsch war, werden gewisse Abstriche gemacht. Das Auto darf vier Räder haben, und bestenfalls kann darin übernachtet werden. Die finanziellen Mittel sollten für den Balkan reichen. Dann sind die Dieselpreise hoch. Sehr hoch.

Absagen? Umkehren? Kommt nicht infrage. Es geht um Wunschumsetzung. Wer macht da schon einen Rückzieher? Das Essen in der Fremde ist anders. Wobei – Burger und Fritten gibt es inzwischen überall. Haben sich die Menschen mit dem Internet gleich noch einen anderen Essstil zugelegt, oder liegt es an der Generation?

Selber kochen wird unterwegs schwierig. Wasser ist knapp bemessen, und ständig bin ich auf der Suche nach Getränken. Die großen Kanister reichen zum Händewaschen, aber nicht immer werden die Hände gleich gewaschen. Nach und nach setzt der Schlendrian ein. Ein Feuchttuch muss reichen.

Irgendwann geht die Reise zu Ende. Die vielen Tausend Kilometer stecken in den Knochen, die Erschöpfung fährt auf den letzten Kilometern einfach mit nach Hause. Kaum zurück, beginnen die Bauchschmerzen.

Vor Jahren hat mir ein Psychologe einmal erklärt, was es bedeuten könne, wenn der Bauch schmerzt. Wir standen am Schwarzen Meer und seine Freundin hat sich nicht zu uns gesetzt. Das Angenommensein fehle, die Aufmerksamkeit solle sich wieder um die Person kümmern, die Bauchweh hat. Mein Bauch bekommt nun sehr viel Aufmerksamkeit. Mehr, als mir lieb ist.

Drei Tage liege ich da und quäle mich, bis der Arzt schließlich Bakterien feststellt und Antibiotika verordnet. Drei Tabletten auf einmal. Etwa eine Stunde nach der Einnahme sind die Schmerzen wieder da. Nichts ahnend habe ich die Keule längst genommen. Seitdem bin ich die Risottobraut.

Reis morgens, Reis mittags, Reis abends. Wer immer nur Reis isst, kann vermutlich überhaupt nicht zunehmen. Das wäre immerhin ein Vorteil, wenn es nicht so langweilig wäre.

Zwischendurch meldet sich der Hunger mit Nachdruck. Nach Wochen der Vernunft muss etwas Ordentliches her. Ein Käsebrot mit Tomate. Brot, Käse, Tomate – was soll daran schon verwerflich sein?

Mein Bauch weiß es. Etwa eine Stunde später rebelliert irgendeine Institution in meinem Inneren. Ob Galle, Leber, Magen, Darm oder alle gemeinsam, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Jedenfalls wollen sie von meinem Käsebrot nichts wissen. Die Krämpfe kommen zurück, und damit ist die kulinarische Freiheit vorerst wieder beendet.

Also bleibt es wie gehabt. Darmaufbau mit Hefebakterien, damit dort wieder Leben einzieht. Nur scheint mein Bauch mit der vorgesehenen Neubesiedlung nicht einverstanden zu sein. Er rumort, bläht sich auf und meldet jeden Versuch einer abwechslungsreicheren Ernährung mit bemerkenswerter Konsequenz. Dann eben wieder Reis.

Auch Haferschleim wird irgendwann langweilig. Suppe darf es sein, aber bitte nicht fettig. Kartoffeln gehen ebenfalls, und selbst Kartoffelbrei wird plötzlich zu einer Delikatesse, wenn der Hunger laut genug schreit. Inzwischen sitze ich in meiner ruhigen Ecke in der Küche. Vor mir steht eine Schüssel Reis.

Vom geträumten Bentley über den Balkan bis hierher war es ein ziemlich weiter Weg, voller Eindrücke und unglaublich schöner Landschaften, die mich in meinen Gedanken noch lange tragen werden.

Ich hätte nur nicht gedacht, dass meine große Reise ausgerechnet mit einem ungebetenen Gast endet.

Viele Grüße
Mike Melonte

Freitag, 25. September 2026

Die kalte Hand

Draußen gibt die Sonne den Weg frei für die Sterne und den Abendhimmel. Der Luftzug ist kühl. Der Sommer ist vorbei. Was bleibt, trägt sich im Herzen fort. Die lauen Nächte unter Bäumen in gemütlicher Runde. Das Meeresrauschen am Strand war gestern. Die Kieselsteine geben unter jedem Schritt nach. Weich rutschen sie in die Versenkung. Der Fußabdruck bleibt.

An diesem Abend ist es unumstößlich. Das helle Gelächter fehlt. Die langen Gespräche bleiben aus.

Still ist es geworden, obwohl der Fernseher läuft. Die Hunde bellen gleichzeitig. Im Nachbarhaus kommt Besuch. Schnell surren die Rollläden herunter. Wie peinlich, dass die Hunde am Fenster hängen wie alte Leute und den Nachbarn beobachten. Hunde können viel mehr. Sie petzen jede Bewegung. Könnte ja von großer Wichtigkeit sein.

Der Postbote ist der Ärmste von allen. Wenn er kommt, ist das die Ankündigung von Gefahr. Mit lautem Kriegsgeschrei wird der arme Mann kommentiert. „So ein gelber Fahrradfahrer hat hier nichts zu suchen.“ Täglich warte ich darauf, dass einer der Hunde durch das Fenster springt und den Postboten an seiner Berufsausübung hindert.

Und dann bekommt mein Mann eine Nachricht über WhatsApp. Er hört sie ab. Markus ist tot.

Blutsverwandtschaft ist etwas Einzigartiges. Sie gehören zur Familie. Nachbarn gibt es wie Sand am Meer. Natürlich ist der Nachbar auch super, mit dem jeden Tag ein paar Worte gewechselt werden und dessen Hund auch mal zu Besuch zu uns kommt. Ein toller Nachbar, auf den ich mich verlassen kann. Eine gute Nachbarschaft muss wachsen. Sie hängt zum großen Teil an den eigenen Erwartungen und lässt Wohnqualität zu einem hohen Gut werden. Aber nicht alle haben einen Nachbarn, der freundlich ist und vertrauensvoll auch mal zuhört.

Und dann gibt es die Blutsverwandtschaft. Menschen, die nicht jeden Tag vor der Tür stehen und trotzdem da sind. Markus suchte den Kontakt. Er kommunizierte gerne.

Ich muss daran denken, wie ich ihm zum ersten Mal die Hand drückte. Er hatte große Hände, aber seine Hand war weich, fast zart. Damals dachte ich nicht weiter darüber nach. Jetzt sehe ich diese Hand vor mir. Wie würde sie sich anfühlen, wenn ich sie noch einmal drücken könnte? Eisig.

Und dann rieche ich sein Rasierwasser im Raum. Wo kommt denn der Geruch her? Er gehört zu dem Menschen, der mir einfach einen Besuch abstattet, der mich in seine Gedankenwelt mitnimmt. Mehr noch, er hat sein Wissen geteilt.

Passt auf euch auf!

Liebe Grüße
Mike Melonte

Blauer Dunst

In dem Saal rauchen alle Männer. Dichter Qualm setzt sich an der Decke ab. Der blaue Dunst flirrt jedes Mal, sobald einer der Herren sich bewegt. Neugierig stehen sie am Fenster und beobachten das Treiben vor dem Schloss. Ein paar Waschfrauen hängen Bettlaken und Unterwäsche auf. Amüsiert betrachten einige Herren die Spitzenhosen, die in Reih und Glied auf einer Wäscheleine über den Hof wehen. Offenbar bietet so ein Schloss auch an gewöhnlichen Nachmittagen Unterhaltung.

Immer wieder gibt eine der Frauen in strengem Ton an, wie die Wäsche aufzuhängen ist. Die Dienstmädchen beeilen sich.

„Ihr bekommet heut nichts zu essen. Leget endlich die Wäsche an.“

Der Ausspruch wirkt. Nichts zu essen gibt es öfter. Der Hunger nagt endlos am Gedärm. Kein Essen bedeutet auch, zu Hause nichts mit der Familie teilen zu können. Schreiende oder kranke Kinder schauen mit eingefallenen Augen auf ihre Mütter. Die jungen Frauen arbeiten schneller. Jedes Wäschestück, das sauber aufgehängt ist, bedeutet, dass es mit der nächsten Arbeit weitergehen kann.

Bei der Feldarbeit findet sich häufig das eine oder andere Kraut, manchmal eine essbare Pflanze, die mit Hilfe der Köchin bestimmt und gegessen werden kann. Jede will deshalb mitgehen, wenn es heißt, Holz für die Küche zu sammeln. Im Wald gibt es schließlich Dinge, die es für alle gibt.

Opa Eduard raucht schon sein ganzes Leben.

„Hildegard, bring mir noch einen Wein. Den, der trocken durch die Kehle rutscht.“

Obwohl Eduard schon recht alt ist, kennt er sich gut mit Pilzen aus. Er sammelt und trocknet sie. In früheren Jahren war er Gardeoffizier. Verheiratet war er nie. Dafür war er im Krieg. Vielleicht war das Abenteuer genug.

Blauäugig war er Napoleon nach Russland gefolgt. Von den mehr als 500.000 Soldaten, die 1812 mit der Grande Armée in den Russlandfeldzug zogen, kamen nur wenige zurück. Nicht allein die russischen Soldaten waren der Feind. Hunger, Krankheiten und schließlich die erbarmungslose Kälte vernichteten die Armee. Der große Kaiser hatte offenbar mit vielem gerechnet, nur nicht damit, dass ein russischer Winter sich seinen Befehlen verweigern könnte.

Eduard hatte sehr viel Glück. Seine Kenntnisse retteten einige Männer nicht vor dem Hunger, manchen sicher vor dem Tod. Aus Wurzeln, Blättern und Pilzen wurden Suppen. Gegessen wurde, was sich finden ließ. Wer wusste, was nicht giftig war, hatte einen Vorteil. Eduard kam zurück.Seine Zehen nicht unbeschadet.

Eine Entschädigung für den Krieg gab es nicht. Mit seinen Erlebnissen musste er selbst zurechtkommen, ebenso mit seinen erfrorenen Zehen. Zähne hat er inzwischen auch keine mehr, was ihm schmerzlich bewusst wird, wenn es Fleisch gibt und er es nicht beißen kann. Allerdings kommt dieser Zustand äußerst selten vor. Fleisch auf dem Teller ist im Schloss schließlich auch kein alltägliches Problem. Eduard nimmt es gelassen. Was Napoleon nicht geschafft hat, wird ein zähes Stück Fleisch wohl auch nicht mehr vollbringen.

Als Opa Eduard an diesem Nachmittag mit den Dienstmägden in den Wald geht, weiß er noch nicht, was er finden wird. Wild zu jagen ist verboten. Nur die Adeligen und der Hausjäger dürfen Wild erlegen. Das Wild gehört also den Herrschaften, die Brombeere vorerst noch niemandem.

Magdalena bleibt in Eduards Nähe. Er kennt sich im Einsiedel gut aus und zeigt den Frauen, wo sie suchen müssen. Unter dem Laub stehen Pfifferlinge. Weiter hinten wachsen Brombeeren.

Magdalena nimmt seine Hand.

Eduard lässt es geschehen. Er streicht ihr über das blonde Haar und drückt sie herzlich an sich. Magdalena weicht nicht zurück.

„Ich bin dafür zu alt. Such dir einen jungen Mann.“

„Es gibt keine jungen Burschen, die mich heiraten.“

Eduard schaut sie an.

„Ich bin unehelich.“

Für einen Augenblick ist es still. Nur weiter hinten knackt Holz zwischen den Bäumen. Magdalena pflückt eine Brombeere und steckt sie in den Mund.

„Aber ich kann dir Socken stricken. Falls du Wolle von deinem Schäfer hier in der Nähe bekommen könntest.“

Eduard schaut an sich hinunter. „Socken?“ „Warme.“

Jetzt muss er lachen. Russland hat er überlebt, seine Zehen nur knapp, und ausgerechnet hinter einer Brombeerhecke verspricht ihm eine junge Frau warme Socken.

„Dann muss ich wohl mit dem Schäfer reden.“

Der Herbst steht schon vor der Tür. Bald wird es empfindlich kalt werden. Eduard kennt die Schäfer im Einsiedel. Für einen guten Tropfen könnte er Wolle eintauschen. Auch besitzt er mehrere Tabakpfeifen. Irgendetwas lässt sich immer gegen etwas anderes tauschen.

Er zeigt Magdalena die Stellen, an denen die Pfifferlinge wachsen, und lässt sie Brombeeren essen und sammeln. Magdalena füllt ihren Korb. Dann sammelt sie weiter Holz, bis sie genug zusammenhat.

Als sie zu den anderen zurückkehrt, trägt Magdalena ihr Bündel Holz und zeigt stolz die Früchte des Waldes. Pfifferlinge und Brombeeren füllen ihre Schürze. Die Brombeeren dürfen die Frauen behalten. Die Pilze wandern in die Küche. 

Oben im Saal warten die Herren inzwischen auf ihr Abendessen. Es gibt Pilzsuppe mit frischem Brot. 

Wünsche ein schönes Wochenende
Mike Melonte  


Mittwoch, 23. September 2026

Jahrhunderte später

Irgendwann im Leben von Mann und Frau ist es nicht mehr die Leidenschaft, die beide verzehrend abends ins Bett treibt. Graf Eberhard ist zu Lebzeiten ein Mann voller Interessen. Nein, keine Mätressen. Er liebt seine Barbara Gonzaga aus Mantua (Italien). Das ist lange her. Seit fünfhundertdreißig Jahren ist Graf Eberhard tot. Eigentlich hatte er genügend Zeit und Gelegenheit, sich mit dem Tod abzufinden. Besonders mit dem Ende seiner Herrschaft. Schwieriger ist es für ihn, sich mit der Tatsache abzufinden, nicht mehr zu wissen, wohin seine Frau geht, wenn sie das Haus verlässt.

Auch sie ist seit langer Zeit tot, eine Frau aus adeligem Geschlecht, allerdings mit einem ungelösten Auftrag aus Lebzeiten.

Das Gemäuer verbirgt einige geistige Schätze. Was hat Barbara nicht alles oben auf dem Dachstuhl den Balken anvertraut. Gedanken über die politische Sicht der Frauen zum Beispiel. Die durften nicht mitreden. Was für eine Wertschätzung sollte das sein? Barbara trifft sich deshalb regelmäßig mit Frauen. Frauen, die etwas zu sagen haben, obwohl niemand sie danach fragt. Als sie wieder einmal losziehen will, fährt ein Echo durch das Schloss. Ein Unwetter könnte heranziehen. Vielleicht ist es am Ende sogar ein Erdbeben.

„Barbara!“

Der Ruf zieht durch das alte Gemäuer, gelangt an die Balken der Decke, lässt die Fensterscheiben vibrieren, dringt nach draußen und bleibt an dem Baum vor dem Schloss hängen. Es riecht nach Thymian. Die Sonne scheint. Erst neulich, im September, sah der Baum aus, als würden ihm vor lauter Rufen sämtliche Blätter auf einmal abfallen.

Eberhard erscheint am Fenster. Nicht vollständig natürlich. Für einen Adeligen, der 1496 verstorben ist, sieht er noch erstaunlich gut aus. Nur sein Wams und seine Haarpracht sind deutlich sichtbar. Sein Bart hängt lose vom Kinn herunter.

„Barbara!“ Wieder keine Rückmeldung.

Seit 1482 steht sein Jagdschloss hier auf dem Einsiedel. Na gut, nicht mehr das Ganze. Gebrannt hat es. Umgebaut wurde es. Abgerissen. Wieder aufgebaut. Menschen haben Türen an Stellen gesetzt, an denen er niemals Türen vorgesehen hatte. Andere Öffnungen haben Handwerker zugemauert, die ihm ausgesprochen wichtig waren. Eberhard erträgt viel. Doch langsam kommen ihm Zweifel, denn auf nichts mehr ist Verlass. Vor allem seine Barbara kann nicht einfach verschwinden, ohne ihm zu sagen, wohin sie geht.

Er gleitet durch die Wand in Richtung Dachstuhl. Früher hatte sich Barbara dort gern mit ihren eigenen Ideen zurückgezogen. Er gleitet weiter durch die nächste Wand. Türen sind für Geister eine überbewertete Erfindung. Draußen ist sie ebenfalls nicht.

„Typisch Frau“, murmelt er vor sich hin.

Barbara war schon zu Lebzeiten nicht dafür bekannt, auf einem Stuhl auszuharren, bis ihr Gemahl von seinen Unternehmungen zurückkehrte. Sie kam aus dem Ausland. Das allein hätte ihm eine Warnung sein können. Sie hatte ihre eigene Familie, ihre eigene Sprache und vor allem die lästige Angewohnheit, ihre Gedanken für sich zu behalten.

Zwanzig Jahre waren sie 1494 verheiratet gewesen. Seine Erinnerung an diesen Jahrestag wird er nie vergessen. Er hatte ihr sogar eine Medaille prägen lassen.

Und was macht eine Frau, für die eine Medaille geprägt wird? Sie schreibt Briefe nach Italien.

Das fand er schon damals undankbar. Heute ist es noch schlimmer. Heute kann Barbara ihren Vorteil nutzen. Als Geist kann sie gehen, wohin sie will. Durch Mauern und über Grenzen, nach Mantua oder einfach in den Wald.

Eberhard bleibt vor dem Schloss stehen. Der Wald – natürlich.

Schon zu Lebzeiten hatte er nie verstanden, warum eine Frau einen Wald betreten musste, wenn es im Schloss genügend Zimmer gab. Er folgt dem Weg. Über fünfhundert Jahre Geisterdasein haben ihm zumindest beigebracht, dass man einer Frau, die nicht gefunden werden will, besser nicht hinterherruft.

Das hält ihn ungefähr drei Minuten davon ab.

„Barbara!“

Ein Schwarm Vögel schießt aus einer Baumkrone. Keine Barbara. Dafür hört er Frauenstimmen. Eberhard bleibt stehen. Die Stimmen locken ihn an. Er gleitet zwischen den Bäumen hindurch und entdeckt sie auf einer Lichtung. Sechs Frauen sitzen im Kreis. Eine kennt er. Schließlich ist er mit ihr verheiratet. Die anderen nicht.

Barbara sitzt auf einem Baumstamm und redet. Eberhard lauscht.

„Wir müssen festhalten, was wir wissen“, sagt sie. „Sonst erzählen später wieder die Männer, wie es gewesen ist.“

Die Frauen lachen. Eberhard nicht. Er schiebt sich näher heran.

„Und was genau“, fragt er und erscheint zwischen zwei Buchen, „soll das heißen?“

Keine der Frauen erschrickt. Das beunruhigt ihn. Barbara sieht zu ihm herüber.

„Du hast uns gefunden.“

„Selbstverständlich habe ich dich gefunden.“

„Dann kannst du wieder gehen.“

Eberhard glaubt, sich verhört zu haben.

„Ich bin Graf Eberhard.“

„Ich weiß.“

„Dieses Schloss gehört mir.“

„Nicht mehr.“

Eine der Frauen kichert. Eberhard sieht sie streng an. Sie trägt merkwürdige Kleidung, eine Hose wie ein Mann und Schuhe, mit denen früher nicht einmal ein Stallknecht vor ihn getreten wäre.

„Wer ist das?“

Barbara lächelt.

„Das geht dich nichts an.“

Eberhard zupft an seinem Bart. Seit mehr als fünfhundert Jahren ist er tot, aber es gibt Sätze, gegen die selbst die Ewigkeit nichts ausrichten kann.

„Was macht ihr hier?“

Barbara steht auf.

„Erkundigungen.“

„Worüber?“

„Über dich.“

Jetzt wird Eberhard durchsichtig. Nicht ein bisschen. Vollständig. Für einige Sekunden ist nur noch sein Bart zu sehen.

„Über mich gibt es nichts zu erkundigen.“

Barbara lächelt. Genau dieser Satz ist es, auf den sie gewartet hat. Denn seit mehr als fünfhundert Jahren liegt oben im Dachstuhl etwas, von dem Eberhard glaubt, dass niemand davon weiß.

Heute will sie es den Frauen zeigen.

Wünsche allen einen sonnigen Tag!

Liebe Grüße
Mike Melonte


Sonntag, 20. September 2026

Der Liebeszauber - Geschichten aus dem Schloss aus Kirchentellinsfurt

Karl hatte schon als Kind gelernt, dass man nicht jeden Menschen behalten konnte, nur weil er zur Familie gehörte. Besonders deutlich wurde ihm das, als sein älterer Bruder krank wurde und sein Bett näher ans Fenster rückte. In den Räumen war die Luft ohnehin schlecht, denn der Rauch aus der Küche fand keinen vernünftigen Abzug und legte sich nicht nur als schwarzer Belag auf Wände und Balken. Man atmete ihn ein, Tag für Tag, und wer ohnehin schon geschwächt war, bekam irgendwann kaum noch Luft.

Als das Bett seines Bruders direkt am Fenster stand, wusste Karl, was das bedeutete. Dort bekam er noch ein wenig mehr Luft. Eines Tages war das Bett leer. Sein Bruder war weg vom Fenster. Für Karl änderte sich damit mehr als nur die Zahl der Menschen, die im Schloss lebten. Seine jüngeren Geschwister waren noch keine zehn Jahre alt und gehörten nach den Vorstellungen der Erwachsenen nicht an den großen Tisch. Kinder waren Teil der Familie, selbstverständlich, aber sie standen nicht in ihrem Mittelpunkt. Karl verstand nicht, weshalb das so sein musste. Wenn er irgendwann selbst Kinder haben sollte, wollte er wissen, was sie dachten, worüber sie lachten und wovor sie Angst hatten. Vor allem aber wollte er sie bei sich haben. Mit dieser Vorstellung stand er ziemlich allein.

Vielleicht begann sein Wunsch fortzugehen genau dort, obwohl er sich das damals noch nicht eingestand. Anderswo sollte es Arbeit geben und die Möglichkeit, sich etwas Eigenes aufzubauen. Von Menschen, die Richtung Osten gezogen waren, wurde erzählt, und jedes Mal hörte Karl genauer hin, obwohl er wusste, dass mit jedem Gedanken an die Ferne etwas anderes näher rückte, das er am liebsten verdrängt hätte. Emmi.

Sie würde nicht einfach mit ihm gehen können. Ihr Vater ist der Totengräber. In ihrer Familie besteht die Vorstellung, eine Tochter könne einem jungen Mann in die Fremde folgen, kaum denkbar. Familie bedeutete Sicherheit, aber ebenso Verpflichtung, und Emmi war darin nicht weniger gefangen als Karl in seiner Verantwortung gegenüber den eigenen Geschwistern.

Je häufiger Karl über das Fortgehen nachdachte, desto weniger wusste er deshalb, was er eigentlich gewinnen würde. Arbeit vielleicht, ein eigenes Zuhause und irgendwann Kinder, die selbstverständlich mit ihm an einem Tisch saßen. Doch all das gab es nur in seiner Vorstellung, während Emmi tatsächlich da war.

Vielleicht war es genau deshalb so verführerisch, als ihm jemand von der Naturfrau erzählte, die für ein paar Kartoffeln Dinge möglich machen sollte, für die Karl selbst keine Lösung fand.

Sie hörte sich an, was er wollte, und verlangte nicht viel. Natürlich Kartoffeln und eine Locke von Emmi.

Die Kartoffeln konnte Karl heimlich beschaffen. Bei der Locke sah die Sache anders aus, denn so nahe war er Emmi noch nie gekommen, und selbst wenn sich eine Gelegenheit ergeben hätte, wäre es schwer zu erklären gewesen, weshalb er plötzlich mit einer Schere neben ihr stand.

Er dachte mehrere Tage darüber nach, bis ihm Emmis Schwester einfiel, die als Dienstmagd im Schloss arbeitete. Ihr ließ er eine Nachricht zukommen, die gerade glaubwürdig genug klang, um nicht nach einem Liebeszauber auszusehen. Wie hätte er ihr das erklären können?

Er werde fortgehen, ließ er Emmi ausrichten, vielleicht sogar nach Übersee, und er wünsche sich eine Locke von ihr, damit er etwas habe, das ihn an sie erinnere. 

Emmi sagte zunächst nichts. Erst später fragte sie ihre Schwester, ob Karl wirklich gehen wolle.

„Bist du sicher?“

Die Schwester nickte und versicherte ihr, genau das habe er gesagt. Trotzdem verging wieder Zeit, bis Emmi ein zweites Mal nachfragte, als könnte sich Karls Entschluss allein dadurch verändern, dass sie lange genug wartete.

Am Abend, als es im Haus still geworden war und nur noch der letzte Rest einer Kerze den Raum erhellte, nahm sie schließlich eine Schere. Sie griff in ihren Nacken, hielt eine Strähne zwischen den Fingern und zögerte noch einmal, bevor sie die Klingen zusammendrückte. Danach legte sie die Locke in ein Leinentaschentuch, schlug den Stoff sorgfältig darüber und gab das kleine Päckchen ihrer Schwester.

Karl brachte die Haare zur Naturfrau, die einige Strähnen herausnahm, sie in Salz legte und leise Worte sprach, von denen er kaum eines verstand. Als sie fertig war, gab sie ihm die Locke zurück und erklärte ihm, er müsse sie gut verwahren, denn von nun an gehöre dieses Haar zu seinem Herzen.

In der Küche konnte Karl die Haare nicht verstecken, ohne Gefahr zu laufen, beobachtet zu werden. Schließlich nahm er einen Löffel und drückte die schwarze Strähne mit dem Ende des Stiels so tief in einen der dunklen Balken, dass sie kaum noch zu erkennen waren. Von da an wusste nur er, wo sie steckten.

Wenn er in der Küche arbeitete und nach oben sah, waren dort Emmis Haare, und solange sie dort blieben, konnte er sicher sein, dass er noch nichts verloren hatte. Dabei hatte Emmi längst begonnen, ihre eigene Entscheidung zu treffen.

Einen schönen Sonntag
Mike Melonte

 

Donnerstag, 10. September 2026

Nicht für den Müll

Als das alte Haus verkauft wird, ist klar: Sie werden alles auf den Müll schmeißen. Das war letzten Samstag, kurz bevor sie in allen Schubladen wühlten. Mit Handschuhen griffen sie nach mir, als wäre ich ansteckend oder so etwas. Habe ich etwa die Masern?

Natürlich lag ich in einer Nähschublade mit allerlei Zeugs. Ganz rechts war meine Ecke. Neben der Schere fühlte ich mich am Wohlsten. Nur zum Einsatz hatte es seit Jahren nicht mehr gereicht. Nun lag ich da zum Aussortieren. Wie frustrierend. Die Hände greifen direkt nach mir.

„Oh, eine Zweier-Häkelnadel? Hier hat auch jemand Handarbeit gemacht.“

Wolle zieht an mir vorbei. Die Hände schlagen eine Masche an. Dann geht es los. Eine Schlaufe, noch eine, immer weiter. Mir wird schwindlig von den Umdrehungen. Ich bin schließlich schon einige Jahrzehnte alt.Plötzl ich schmeißen mich die Hände samt Wolle auf einen Stuhl. Bin ich ein Boxsack? Was für Manieren die heutige Jugend hat?

Mal ehrlich, Häkeln ist eine besondere Art der Entspannung. Das kann nur jemand grauenvoll finden, der mich nicht leiden kann. Doch dann werde ich an einer Luftmaschenkette in die Höhe gehalten. Wie eine Siegertrophäe. Kurz darauf verschwinde ich in einer Jackentasche. Oh, wie bin ich erleichtert. Jemand kann mit mir etwas Schönes häkeln.

Und ich sehe endlich wieder Tageslicht. Am Abend geht es weiter. Ein roter Faden legt sich um meinen Hals. Na wunderbar. Kaum dem Müll entkommen, werde ich gefesselt.

Die Hände lassen mir keine Ruhe. Einstechen, Faden holen, durchziehen. Einstechen, Faden holen, durchziehen. Ich komme richtig in Fahrt. Ich bin noch voll agil. Nach all den Jahren fühle ich mich wieder wichtig. Vielleicht wird es ein Schal. Ein feiner Zwirn, den jeder gern tragen möchte oder eine elegante Stola. Bei meiner Größe zwei kann man schließlich keine groben Sachen von mir verlangen.

Reihe um Reihe arbeite ich mich voran. Der rote Faden folgt mir aufs Wort. Ich ziehe ihn durch jede noch so enge Masche. Manchmal sträubt er sich, dann nehme ich ihn eben auf den Haken. Dafür bin ich schließlich da. Das Stück wächst.Quadratisch. Sehr quadratisch. Mir kommen erste Zweifel. Eine Stola sieht anders aus.

„Schau mal“, sagt die junge Frau und hält unser Werk in die Höhe. „Mein erster Topflappen!“ Topflappen, wie bitte? Jahrzehnte habe ich in einer dunklen Schublade überlebt. Ich bin dem Sperrmüll entkommen, wurde wie eine Siegertrophäe in die Höhe gehalten und habe mich durch unzählige Maschen gekämpft. Für einen Topflappen? Das kann nicht wahr sein!

Aber als sie mich anschließend vorsichtig neben das rote Wollknäuel legt, weiß ich: Morgen geht es weiter. Der Topflappen braucht schließlich einen zweiten. Und ganz unter uns: Hauptsache, ich hänge wieder an einem guten Faden.

Wünsche allen eine schöne Woche
Mike Melonte