Freitag, 31. Juli 2026

Neuer Plan

Gustav ist auf seiner Laufrunde unterwegs. Urplötzlich überrascht ihn ein Regenguss. Damit er nicht nass wird, stellt er sich unter einen riesigen, mindestens zwanzig Meter hohen Kastanienbaum. Am Morgen hatte er sechs Eier gegessen. Lautstark quetscht sich die Luft durch seine Speiseröhre. Mit schwingenden Armen versucht er, sie wieder loszuwerden. Gleichzeitig schießen Blähungen nach draußen. Erschöpft lehnt er sich an den Stamm und schläft ein.

Als er die Augen öffnet, sitzt er auf einer weichen Couch in einer eleganten Lounge. Neben ihm steht ein grauhaariger Mann im weißen Hemd vor einem langen Tisch. Darauf liegen mehrere Boote. Junge Frauen verbinden sie mit dünnen Seilen zu einem einzigen großen Verband. Kaum ist das letzte Boot befestigt, gleiten die Männer wortlos davon, als müssten sie zu einer wichtigen Besprechung.

„Sind Sie auch eingeladen?“, fragt Gustav.

Der Mann schaut ihn an, als hätte er die Frage erwartet.

„Nur wer das richtige Blut mitbringt.“

Im selben Augenblick liegt Gustav auf einer Untersuchungsliege. Eine Ärztin hält ein dreiviertel gefülltes Glas mit dunkelrotem Blut gegen das Licht. Es steht auf einem alten Overheadprojektor.

„Das Medikament wäre eigentlich richtig“, sagt sie. „Aber bei Ihnen weiß man nie.“ Sie greift zum Telefon.

„Schicken Sie sofort Professor Mewager 0399.“

Wenige Augenblicke später betritt ein kleiner Mann mit silbernem Schutzhelm den Raum. Er wirft einen Blick auf das Blutglas und schüttelt den Kopf.

„Unmöglich.“

„Was sehen Sie?“, fragt die Ärztin.

„Eier.“

„Wie bitte?“

„Sechs Stück. Hart gekocht. Mit Senf.“

Die Ärztin seufzt.

„Ich hatte es befürchtet.“

0399 betrachtet das Blut erneut.

„Außerdem hat der Patient außergewöhnlich hohe Rülps- und Blähwerte. Die Luft verteilt sich bereits im Obergeschoss.“

„Können wir das Medikament trotzdem geben?“

„Zu gefährlich. Wenn der Druck entweicht, verschiebt sich das Wetter.“

Die Ärztin schiebt das Blutglas zur Seite. Auf der Folie des Overheadprojektors erscheint plötzlich das Bild des Kastanienbaums. Die Krone bewegt sich im Wind. Kleine blaue Punkte blinken zwischen den Blättern.

„Die Müdigkeitsbeeren!“, ruft 0399 erschrocken.

„Sie wirken doch?“

„Noch elf Sekunden.“

Ein dumpfes Grollen fährt durch den Raum.

Im selben Moment rülpst Gustav im Schlaf so gewaltig, dass sich sämtliche Müdigkeitsbeeren augenblicklich wieder in Wasser verwandeln.

Gustav fährt hoch.

Eine Kastanie fällt direkt vor seine Füße.

„Zum Glück“, murmelt er, richtet seine Jacke und setzt den Lauf fort.

             Zur gleichen Zeit tagt auf Mewag der Krisenstab. Mewager 0399 steht stramm vor dem Einsatzleiter. „Einsatzbericht.“

„Mission fehlgeschlagen.“

„Begründung?“

„Der Proband hat sechs Eier gegessen.“

Der Einsatzleiter schlägt sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.

„Immer diese Eier.“

0399 räuspert sich.

„Ich muss außerdem einen Verstoß gegen Dienstvorschrift 7.14 melden.“

„Welchen?“

„Ich habe meine Ehefrau mitgenommen. Sie wollte unbedingt sehen, wie Gustav endlich einschläft.“

„Und?“

„Sie hat fotografiert.“

„Mit Blitz?“

0399 nickt.

Der Einsatzleiter schließt die Augen.

„Kein Wunder, dass der Mann aufgewacht ist.“

Im Sitzungssaal herrscht bedrücktes Schweigen.

Ein älterer Mewager schlägt die Fallakte Gustav – Band 38 auf.

„Der Proband ist seit Jahrzehnten das größte Problem unserer Behörde. Schlafbeeren, Regenfronten, Tiefdruckgebiete, Lavendelwolken, Walgesänge, Baldriankapseln und drei Vollmonde – nichts zeigt dauerhafte Wirkung.“

Ein Praktikant meldet sich.

„Aber weshalb funktioniert das alles bei ihm nicht?“

Der Alte blättert weiter.

„Hier steht es.“

Alle beugen sich vor.

„Gustav besitzt eine angeborene Störfeldresonanz. Sämtliche kosmischen Maßnahmen verpuffen wirkungslos.“

„Sonst nichts?“

„Doch.“

Er setzt seine Brille auf.

„Der Proband erkennt weibliche Anwesenheit bereits zweihundert Meter vorher. Sein Kreislauf steigt schlagartig an. Sämtliche Müdigkeit verschwindet augenblicklich.“

„Messbar?“

„Selbstverständlich. Wir haben es mehrfach überprüft.“

In diesem Moment meldet sich die Satellitenüberwachung.

„Alarm! Gustav läuft wieder.“

„Wie schnell?“

„Schneller als vor dem Regenguss.“

Der Einsatzleiter klappt den Ordner zu.

„Dann bleibt nur Plan G.“

„Was bedeutet das G?“, fragt der Praktikant.

Der Alte seufzt.

„Gar nichts. Wir sind nur inzwischen beim siebten Buchstaben im Alphabet angekommen.“

In diesem Augenblick erschüttert ein gewaltiger Rülpser die Atmosphäre. Die Satelliten geraten kurz aus der Umlaufbahn, zwei Regenwolken wechseln die Kontinente und über dem Kastanienbaum bildet sich  ein kleiner Tornado.

0399 schaut aus dem Fenster.

„Chef …“ „Ja?“

„Er joggt inzwischen bergauf.“ Der Einsatzleiter sinkt in seinen Sessel.

„Ich beantrage Versetzung. Von mir aus in eine ruhige Ecke. Hauptsache, ich kann auf Gustav verzichten.“

Liebe Grüße
Mike Melonte

Dienstag, 21. Juli 2026

Die blaue Beschwerde

Johanna hält mehrere Wollknäuel in die Höhe. Gelb, Weiß, Grün und Lila finden schnell Abnehmer. Blau wandert zurück in den Beutel. Zum ersten Mal leitet sie einen Häkelworkshop. Häkeln ist ihre Leidenschaft. Topflappen, Spültücher und Mützen gehen ihr flink von der Hand. Als eine Kursleiterin kurzfristig ausfällt, springt sie ein. Johanna ist sicher: Häkeln kann jeder lernen. Heute Abend sollen alle Teilnehmerinnen mit ihrem ersten Werk nach Hause gehen.

Wer hat noch nie gehäkelt?“, fragt Johanna. Niemand hebt die Hand. Einige lächeln verlegen und schauen auf die Wolle. Eine Frau sagt: Ja, in der Schule habe ich mal gehäkelt.“

Ok, dann verteilen wir mal die Materialien. Johanna dreht sich nach dem Jutebeutel mit den Häkelnadeln um. Der Platz neben der Tür ist leer. Sofort beginnt sie zu schwitzen.

Einen Moment bitte.“

Sie schaut unter die Tische und vor die Tür. Schließlich entdeckt sie den Beutel hinter der Tafel. Als sie ihn hervorzieht, wartet bereits die nächste Überraschung. Eine Frau betritt den Raum. In der einen Hand trägt sie eine Bierflasche.

Ich stehe noch nicht auf der Liste. Haben Sie noch weiße Wolle?“

Zwischen diesen Farben können Sie auswählen.“ sagt Johanna und zeigt auf den Tisch mit der Wolle. 

Sie nimmt ein beiges Wollknäuel, setzt sich in die erste Reihe und leert ihre Bierflasche. Danach fragt sie nach einer Häkelnadel.

Welche passt denn?“

Im nächsten Moment öffnet sich die Tür. Drei Kinder stürmen herein. Hinter ihnen erscheinen zwei ältere Mädchen.

Die gehören auch zu mir“, sagt eine Mutter, die auf der rechten Seite sitzt.

Bevor es an die Anleitung geht, sollen alle Luftmaschen üben. Die Mutter der älteren Kinder beugt sich zu ihrer Nachbarin.

Können Sie häkeln? Die Dozentin kann das gar nicht erklären.“

Johanna lächelt. Sobald die ersten Luftmaschen gelingen, wird es ruhiger, denkt sie. Eine Teilnehmerin häkelt mit ihrer eigenen Wolle eine lange Luftmaschenkette, zieht alles wieder auf und beginnt von vorn. Johanna verteilt die Anleitungen für ein kleines Herz als Schlüsselanhänger.

Da meldet sich die Frau mit der Bierflasche lautstark zu Wort, steht unvermittelt auf und verschwindet zum Rauchen. Wenig später kommt sie mit einer Flasche Rotwein zurück.

Johanna eilt von Platz zu Platz. Sie zeigt Luftmaschen, trennt sie wieder auf und beginnt von vorn. Immer wieder wandern die Blicke zu den fertigen Topflappen, Spültüchern und Herzen, die sie als Muster mitgebracht hat. Bald reden alle über Farben, Garne und Ideen. Gehäkelt wird kaum noch.

Als Johanna auf die Uhr sieht, ist der Workshop vorbei. Sie verteilt die Feedbackbögen.

Die Frau mit der Rotweinflasche schreibt sorgfältig:

Zu gern hätte ich einen Topflappen gehäkelt. Schade, dass es kein blaues Garn gab.“

Liebe Grüße
M. Melonte

Sonntag, 19. Juli 2026

Verpasste Gelegenheiten

An ihrem Lieblingsplatz fühlt sich Griselda sicher. Von hier aus behält sie die ein- und ausgehenden Gäste ebenso im Blick wie die tägliche Nahrungszufuhr. Wer diesen Ort kennt, spricht nur hinter vorgehaltener Hand darüber. Das Buffet eröffnet täglich neu. Wasser gibt es gleich um die Ecke. Gäste kommen und gehen. Partys dauern manchmal bis tief in die Nacht. Nicht jeder darf eintreten.

Schon ihre Urgroßeltern leben unter diesem Dach mit eigenwilligem Mobiliar. Wenige Schritte führen in die obere Etage. Wie immer wollen alle oben wohnen. Wer unten lebt, muss frieren. Ständig gibt es Meinungsverschiedenheiten mit den Bewohnern aus der zweiten Etage. Wäre die Waschküche darunter beheizt, gäbe es keine Reibungspunkte. Doch dort gibt es keine Heizkörper.

Die nächste Generation liebt Alkohol. Flaschen mit Kerzen säumen den Weg zur Straße. Ihr Licht lockt die Familie. Äpfel, Nüsse und Kartoffeln gibt es reichlich. Die Vorräte reichen bis in den nächsten Sommer. Dann beginnt eine neue Zeit. Heute wohnt die Familie vor allem in Kunststoffbeuteln, Grassamen, eingepackten Stühlen, Zelten und einem Schrank.

Plötzlich gibt es keine Strukturen mehr. Was früher im Überfluss vorhanden ist, verschwindet nach und nach. Kartoffeln und Karotten fehlen. Auch die Äpfel finden plötzlich einen anderen Platz. Zwei Langschwänze reißen sich um einen Fetzen Stoff. Jeder will ihn fressen. Die Flaschen verschwinden im Nirwana.

Aus den täglichen Streitereien wird Griselda unfreiwillig zur Mediatorin. Unter ihresgleichen schlichtet sie, wo sie nur kann. Nach langem Überlegen schleicht sie sich ins Nachbarhaus. Allen Gefahren zum Trotz wird sie auch dieses Mal davonkommen. Schon der Einstieg verlangt Feingefühl. An der Hauswand wetzt sie ihre Nägel. Gepflegt lässt sich jedes Risiko besser ertragen, denkt sie. Vielleicht muss sie ein Schloss knacken oder im Vorbeirennen etwas ergreifen. Plötzlich bricht ein Getöse los. Überall geht Licht an. Papierberge versperren ihr den Weg.

Mit schnellen Sprüngen hechtet sie unter einen Stuhl. Gleich darauf setzt sie mit aller Kraft zum Sprung ins Freie an. Nur knapp entkommt sie dem nachgeworfenen Besen. Im letzten Moment erreicht sie die Mülltonne vor dem Haus. Sie wird zu ihrer Rettung. Griselda hechelt. Am liebsten würde sie den Schwanz einziehen. Reglos verharrt sie. Nur ein Husten, eine ungeschickte Bewegung oder ein Geräusch könnten sie verraten. Wer kümmert sich um ihre Schützlinge? Wer bewahrt die Generationenchronik?

Opa hat immer gesagt: „Mädchen, nähere dich niemals den Menschen. Sie sind dein Verderben.“

Wenig später wirft jemand kleine Leckereien neben den Mülleimer. Hungrig frisst sie alles bis auf den letzten Krümel. Eigentlich will sie etwas mitnehmen. Doch das Futter schmeckt angenehm nach Käse und rutscht leicht den Rachen hinunter. Es duftet nach Bergkäse. Nach der abenteuerlichen Flucht zählt nur noch ihr Magen. Erst auf dem Rückweg setzen Krämpfe ein. Selbst tiefes Atmen lindert die Schmerzen nicht. Ihrer Tochter verrät sie noch das Geheimnis des Grauens. In ihren letzten Augenblicken zieht ihre Familie an ihr vorbei. Wer kümmert sich um die Kleinsten? Eine Familie hat ihre Heimat verloren.

Tags darauf wird das Mobiliar der Langschwänze aus dem Haus getragen. Griselda hängt noch immer an der Rückwand des Schranks.

Schöne Woche
Mike Melonte

Dienstag, 14. Juli 2026

Der leere Becher

Dunkle Wolken schieben den ersten Blitz über den Himmel. Auf dem Saturn herrscht Hochsaison. Die ersten Regentropfen schon gleiten die finsteren Mewager durch das Gewitter.

Kaum füllen sich die Straßen mit Pendlern, steigen ihre Erfolgschancen erheblich. Besonders begehrt sind Lehrer an Tagen, an denen sie Klassenarbeiten zurückgeben. Enttäuschung und Tränen erleichtern jede Landung. Von alledem ahnt Gustav nichts. Gut gelaunt marschiert er zum Kiosk. Mit der neuesten Kicker-Zeitung unter dem Arm beginnt er mit Erich zu diskutieren.

„Sag mal, Erich, wer gewinnt die Weltmeisterschaft?“

„England“, sagt Erich, ohne aufzusehen. „Da bin ich mir sicher.“

„Heute Abend spielt erst mal Frankreich gegen Spanien. Gib einen Tipp ab.“ Erich schüttelt den Kopf.

„Nö. Du willst doch bloß wieder wetten.“

„Ich habe gar keinen Wetteinsatz.“

„Noch nicht.“

Auf dem Saturn herrscht derweil Chaos. Mewager 0399 hat Gustav ins Herz geschlossen. Am liebsten würde er ihn ständig an seiner Seite haben. Der Hohe Rat hat jeden weiteren Kontakt verboten. 0399 hält sich nur selten an Anweisungen, heimlich füllt er Saturnwasser in ein kleines Gefäß. Laut den alten Aufzeichnungen genügt ein einziger Schluck.

„Gibst du nun einen Wetteinsatz, Erich?“

„Du bekommst einen Kaffee von mir, wenn England im Endspiel steht.“

„Dann gib ihn mir doch gleich. Bezahlen kann ich später immer noch.“

„Hab ich’s doch gewusst, Gustav.“

Erich stellt einen leeren Pappbecher vor ihn.

„Das ist mein Wetteinsatz. Den Kaffee gibt’s nach dem Sieg. Bring den Becher wieder mit.“

Gustav dreht ihn in den Händen.

„Bekommst du keinen Ärger mit der Steuer? Auf den Becher ist doch Verpackungssteuer.“

„Wie ich das dem Finanzamt erkläre, ist mein Problem.“

„Du hast wohl überall deine Geheimnisse.“

„Alles muss ich dir nicht auf die Nase binden.“

Gustav stellt den Becher zurück.

„Vielleicht kaufe ich meine Zeitung künftig am Bahnhof.“

„Mach das“, sagt Erich. „Fünfundzwanzig Minuten zu Fuß. Im Supermarkt stehst du genauso lang an der Kasse. Du kommst wieder. Sieh’s sportlich, Gustav.“

Zwei Tage später steht Gustav mit dem leeren Becher wieder am Kiosk.

„Du hattest recht. Die Engländer stehen im Finale. Bekomme ich jetzt meinen Kaffee?“

Erich streckt die Hand aus.

„Wo ist der Becher?“

„Hier.“

In diesem Moment landet Mewager 0399 auf dem Vordach. Er kippt das kleine Gefäß. Ein Tropfen. Noch einer. Sie fallen in den Becher. Erich füllt Kaffee ein. Sofort läuft er auf den Boden.

„Gustav! Was hast du mit dem Becher gemacht?“

„Nichts.“

„Der hat ein Loch.“ Erich stellt ihn in die Spüle. Als er zurückkommt, bleibt er stehen. Der Kaffeefleck ist verschwunden.

„Gustav, wie bist du in den Kiosk gekommen?“

„Ich? Wieso sollte ich dir bei deiner Unachtsamkeit helfen? Du kannst ja nicht einmal Kaffee ausschenken.“

Auf dem Vordach starrt 0399 entsetzt auf Gustav. Neben ihm materialisiert sich ein Mitglied des Hohen Rates.

„0399.“ Der Mewager schluckt.

„Zweihundert Jahre Hausarrest.“, dröhnt es.

„Aber Gustav …“

„… bleibt auf der Erde.“

Gustav klemmt sich die Zeitung unter den Arm.

„Ich hab’s doch gewusst“, sagt er. „Argentinien gewinnt.“

Herzliche Grüße
Mike Melonte

Donnerstag, 9. Juli 2026

Meine Herbst- und Winterpläne 🍂🧶

 

🚆 Im Zug – die Zeit mit einem neuen Maschenanschlag überbrücken.

Mit einer Freundin im Café – neue Anleitungen bequatschen.

🧶 Freie Zeit nutzen – jede Masche zählt.

📺 Vor dem Fernseher – Wolle aufwickeln und die ersten Reihen häkeln.

🍵 Mit einer Kanne Tee – gemütlich weiterhäkeln.

🌞 Am Vormittag – häkeln, was das Zeug hält.

🌙 Weil das Projekt noch nicht fertig ist – 
          bis tief in die Nacht weiterhäkeln.

❤️ Am Ende das fertige Lieblingsstück bestaunen oder verschenken.

 

Häkeln an der VHS – Start: 01.10.2026

Der Herbst ist die schönste Zeit für Wolle, Farben und kreative Ideen. Gemeinsam häkeln wir kleine Geschenke – ganz nach Lust und Können. Anfängerinnen sind ebenso herzlich willkommen wie Fortgeschrittene. In entspannter Runde lernen wir neue Techniken und genießen die Freude, wenn aus einem Faden etwas ganz Eigenes entsteht.

Ab dem 1. Oktober 2026 könnt ihr euch auf einen gemütlichen Herbst und Winter mit guten Gesprächen, schönen Häkelprojekten und ganz viel Kreativität freuen.

Herzliche Grüße
"Wollidol"


Gustavs Traumwohnung

 

Gustav verzieht die Unterlippe und stülpt sie weit nach außen. Die Hitze in der Nacht ist kaum auszuhalten. Seine Wohnung gleicht einem Backofen. Die Fliegen schwirren im Pulk um seine Lampe. Er setzt  sich in seinen Gartenstuhl. Weich kippt er nach hinten. Schläft sofort ein.

Er träumt von einem prächtigen Altbau. Gekühlte Zimmer lichtdurchflutet. Hohe Decken frish gestrichen. Ein Badezimmer so groß wie seine ganze Wohnung. Im Spiegel bewundert er einen rot-weiß gestreiften Schlafanzug. Sein Gesicht ist frisch rasiert. Entscheidend ist, dass er darin deutlich schlanker aussieht.

Als er das Licht einschalten will, findet er den Schalter nicht. Er hängt außen. So etwas können sich nur Architekten ausdenken.

Auf dem Rückweg entdeckt Gustav einen geheimen Gang und gelangt von draußen wieder ins Badezimmer. Plötzlich öffnet sich die Schlafzimmertür. Eine ältere Dame zieht geschniegelt das Bett glatt. Keine Staubflusen. Keine Spinnweben. Alles staubfrei  wie im Möbelhaus. Endlich eine Wohnung nach seinen Ansprühen. 

Gustav nickt anerkennend.

„So gehört sich das.“ Erst da fällt ihm auf.

„Moment mal ... ich bin ja im Hotel!“

Mit einem Schlag ist er hellwach. Seine Wohnung empfängt ihn mit dreißig Grad Raumtemperatur. Die Eiswürfeltüte auf dem Nachttisch fließt dahin. 

Gustav greift zum Telefon. „Karl?“

„Was ist denn jetzt schon wieder?“

„Sag mal, hat deine Frau noch ihre Badewanne?“

„Ja.“

„Und putzt sie auch?“

„Manchmal. Wieso?“

Gustav seufzt.

„Ich überlege gerade, ob ein Hotel auf Dauer nicht doch günstiger ist. Da sind die Nebenkosten wenigstens schon im Preis drin.“

Karl schweigt.

„Gustav, du weißt schon, dass man dort auch jeden Morgen bezahlen muss?“

Gustav überlegt einen Moment.

„Nicht, wenn ich lange genug schlafe.“

Frohes Schwitzen
Mike Melonte

Mittwoch, 8. Juli 2026

Vier Pfoten entscheiden

Karl steckt das Handy in die Hosentasche.

Er kratzt sich mit dem Finger hinter seinem Ohr. "Mach's mir jetzt bloß nicht schwer“, murmelt er.

Der Hund hebt den Kopf. Zum ersten Mal seit dem Spaziergang zerrt er nicht an der Leine. Er setzt sich mitten auf den Feldweg und schaut Karl an, als hätte er jedes Wort des Telefonats verstanden.

Na toll“, seufzt Karl. „Vor fünf Minuten wolltest du noch an jedem Baum pinkeln und jetzt spielst du den Musterhund.“

Er kniet sich hin und krault ihn vorsichtig am Hals. Streicht über seinen Kopf. Der Hund schließt die Augen. Lehnt sich gegen sein Bein.

Du hast dir den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht, vernünftig zu werden.
Der Gustav macht keine Kompromisse, wenn er mal von einer Meinung überzeugt ist, kann höchstens ein Tsunami eine Wendung geben.“

Ein leichter Wind fährt durch das Korn. Aufgewärmte Luft treibt Schmetterlinge in die Höhe. Für einen Augenblick ist nur das Rascheln der Ähren zu hören. Es riecht nach staubigem Lehm. Vögel zwitschern immer den gleichen Ton.

Weißt du was? Ich glaube, du hast einfach den falschen Besitzer.“

Der Hund antwortet mit einem langen Seufzer. Ja, genau das habe ich mir gedacht.“

Als Karl zurück kommt, steht Gustav bereits vor der Haustür. Die Arme verschränkt, als müsse er gleich eine schwierige Geschäftsverhandlung führen.

Na endlich. Wo ist er?“ Karl hält die Leine hoch.

Hier.“ Gustav mustert den Hund. „Warum läuft der plötzlich so brav?“

Karl zuckt mit den Schultern. „Vielleicht hat er gehört, dass du ihn loswerden willst.“

Ach was.“ Gustav winkt ab. „Hunde verstehen so etwas nicht.“

In diesem Moment setzt sich der Hund demonstrativ hinter Karl, drückt seine Schnauze gegen dessen Wade und rührt sich keinen Zentimeter.

Karl grinst. Da wäre ich mir an deiner Stelle nicht ganz so sicher.“

Liebe Grüße
Mike Melonte