Der Wind weht angenehm durch die Straßen. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Genau das richtige Wetter für einen Abendspaziergang. Im Fernsehen läuft Fußball. Das interessiert hier allerdings niemanden. Izzy und Lucky stehen bereits an der Tür und schauen mich an, als hätte ich die Gassirunde um mehrere Stunden verschoben.
Kaum haben wir das Haus verlassen, scheint die Welt in Ordnung. Ein paar freundliche Menschen kommen uns entgegen. Man grüßt sich, die Hunde bleiben gelassen und für einen Moment wirkt alles erstaunlich unkompliziert.
Am Mühlbach endet die Harmonie. Ein Spitz mit nachziehender Leine rennt auf uns zu. Er bellt, als hätte er eine wichtige Warnung auszusprechen, die auf keinen Fall verloren gehen darf.
„Das ist vielleicht keine so gute Idee“, rufe ich der knieenden Frau zu. Sie sagt irgendetwas, aber so leise, als hätte sie die Hand vor dem Mund.
Stattdessen hebt sie den Spitz unter den Arm, als würde sie ein Paket auf die Post bringen. Der zweite Hund läuft weiter neben ihr her. Sie geht voraus und ich habe leider den gleichen Weg. Könnte ich fliegen, würde ich wie Supergirl über sie hinwegdüsen. Sie bleibt stehen. Dreht sich um und ist fassungslos, dass ich mich traue ihr auf dem gleichen Weg zu folgen. In ihrem Folklorekleid und den roten Haaren sieht sie aus, als wären sie ein Übrigbleibsel der 68‘ Bewegung. Hippie mit einem Joint und endlos viel Zeit. Natürlich um nachzudenken, wie die Welt verbessert werden kann.
Für einen Klassenkampf bin ich müde. „Können Sie uns kurz vorbeilassen?“, frage ich.
Die Frau geht weiter. Also gehen wir ebenfalls weiter. Der Spitz nutzt seine erhöhte Position auf dem Arm seiner Besitzerin, um die Situation weiterhin lautstark zu kommentieren. Lucky wirft mir einen Blick zu, der ungefähr bedeutet: „Ich verstehe zwar nicht, was sein Problem ist, aber meins ist es nicht.“ Natürlich teilt er auch seine Meinung nun lautstark mit.
„Können Sie bitte zur Seite gehen? Wir möchten vorbei.“
Das scheint sie nicht zu interessieren. Stattdessen läuft sie einfach weiter den gleichen Weg wie wir. Ich rufe noch einmal hinterher, dass das auch unser Weg ist. Da wird sie pampig. „So eine Unverschämtheit, rücksichtslos“, kommt es zurück. „Was bilden Sie sich ein.“ Na, Einbildung ist auch eine Bildung kommt es mir promt über die Lippen.
Ich gehe einfach weiter. Der Spaziergang läuft am Mühlbach entlang weiter, sie biegt in eines dieser Häuser ab. Die Hunde laufen wieder im normalen Rhythmus weiter.
Was als ruhiger Abendspaziergang
beginnt, endet mit einer kleinen Machtdemonstration am Mühlbach. Der
Spitz hatte wenigstens einen Grund zu bellen. Bei den Menschen blieb
die Ursache für das plötzliche Losproleten bis zum Schluss unklar.
Frohes loslegen in die Woche
Mike Melonte



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