Gustav schneidet die harte Brotkante sauber ab. Sie landet auf seiner Untertasse. Mit dem Messer bestreicht er sorgfältig das Brot dick mit Butter. Anschließend verschwindet das Brot unter einer dicken Schicht Mirabellenmarmelade.
Mit klebrigen Fingern blättert er durch die Zeitung. Dabei stößt er gegen den Zuckerlöffel. Die Zuckerdose kippt um. Zucker verteilt sich über den Tisch. Ohne aufzustehen, scharrt Gustav ihn mit der flachen Hand wieder zu einem kleinen Haufen. Was in der Dose liegt, gehört schließlich in die Dose. Erst dann überfliegt er die Überschriften. Politik. Sport. Todesanzeigen. Nichts Besonderes.
Dann bleibt er an einem Bild hängen. Michelle Obama lächelt ihm von Seite drei entgegen.
Er greift nach der Schere. Sie liegt immer griffbereit neben der Tischlampe. Vorsichtig trennt er den Artikel heraus, steht auf und öffnet den Wohnzimmerschrank. Im untersten Fach liegt ein dicker Leitzordner. Zwischen Versicherungsunterlagen und alten Totozetteln steckt bereits eine stattliche Sammlung ausgeschnittener Zeitungsfotos. Gustav schiebt den neuen Artikel dazwischen, streicht mit zwei Fingern über das Bild und nickt zufrieden.
„Die versteht wenigstens das Leben.“
Er setzt sich wieder an den Tisch.
„Die würde nie fragen, ob ich den Biomüll runterbringe.“
Das Marmeladenbrot verschwindet in zwei Bissen. Am Monatsanfang schreibt Gustav jedes Mal dieselbe Einkaufsliste. Lebensmittel – 10 Euro. Bier. Waschpulver – 5 Euro. Mirabellenmarmelade. Vogelfutter für Frau Zeh. Einmal die Woche eine Sportzeitung. Mehr braucht ein vernünftiger Haushalt nicht. Frauen wollten immer irgendetwas.
„Kannst du mal den Staubsauger in die Hand nehmen?“
„Wir haben keinen Sekt mehr.“
Sekt.
Als ob man von Sekt satt würde. Judith
hatte sogar behauptet, Bier mache dick. Dabei schleppte sie jede
Woche neue Schuhkartons nach Hause. Und passte selbst kaum durch die
Badezimmertür.... Gustav
steht auf. Im Badezimmer hebt er den Toilettendeckel an. Noch
immer wackelt das Scharnier. Judith hatte damals nur mit den
Schultern gezuckt.
„Da war ein Krabbeltier.“ Mehr Erklärung
gab es nicht.
Wie
ein Krabbeltier einen Toilettendeckel ruinieren kann, beschäftigt
Gustav bis heute.
In diesem Moment öffnet sich die Wohnungstür.
„Karl!“
Karl streckt den Kopf herein.mir
„Bin nur schnell auf dein Klo.“
Gustav verdreht die Augen.
„Schlafen kannst du in deinem Bett. Meditieren musst du nicht auf meinem WC.“
„Der Druck auf der Blase …“
Gustav verschränkt die Arme.
„Ha! Wie fährst du denn in Urlaub? Du kennst ja jede Kachel bis zum Gardasee.“
Karl grinst.
„Willst
du jetzt Schach spielen oder mir
deine Kloregeln erklären?“
Liebe
Grüße
Mike Melonte
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