Die Hitze treibt mich aus dem Haus direkt in den Supermarkt. Eigentlich brauche ich nur ein paar Kleinigkeiten. Der Kühlschrank ist leer. Vorbei an Melonen, Gurken und saftigen Pfirsichen führt mich mein Weg ausgerechnet an einer Klimaanlage vorbei.
Lange starre ich das Gerät an. Mein Verstand rechnet. Ohne Taschenrechner weiß ich: Der Monat wird finanziell sehr schlank. Der Preis gefällt mir nicht. Sie steht da wie ein Luxusartikel für Menschen, die im Sommer nicht schwitzen möchten.
Dann denke ich an meinen Mann. In den letzten Nächten sieht sein Kopfkissen aus, als hätte er es zum Baden mitgenommen. Morgens liegt es nass auf dem Bett wie ein frisch angelandeter Seehund. Gleichzeitig stöhne ich selbst bei jeder Bewegung wie eine Tennisspielerin im Endspiel von Wimbledon.
Die Hitze kreist über unserem Haus wie ein Raubvogel auf Beutejagd. Selbst die Hunde haben ihren Protest aufgegeben. Lucky hechelt nur noch. Izzy liegt ausgestreckt auf den Fliesen, als hätte sie beschlossen, bis September keinen einzigen Schritt mehr zu gehen.
Nach dem Besuch meiner Tochter in Stuttgart muss ich ohnehin noch in die Apotheke. Ein Wespenstich hat meinen rechten Arm in einen Zustand versetzt, den man höflich als auffällig bezeichnen könnte. Unhöflich würde man sagen: Mein Arm sieht aus wie ein aufgepumpter Luftballon.
Als ich erneut an der Klimaanlage vorbeikomme, hat sich etwas verändert. Nicht der Preis. Meine Leidensfähigkeit. Ich beschließe, das Gerät mitzunehmen. Eine ausgezeichnete Idee. Zumindest so lange, bis ich versuche, das Monstrum in den Einkaufswagen zu heben. Ein junger Mann kommt vorbei. Er hilft mir, die Klimaanlage unter den Wagen zu bugsieren. Allein hätte ich vermutlich bis zum Herbst gebraucht.
Nun bin ich im Kaufrausch. Lachs ist im Angebot. Eine Melone wandert in den Wagen. Eine Gurke ebenfalls. Irgendwo zwischen Fischtheke und Obstabteilung fühle ich mich wie eine Frau, die ihre Zukunft neu gestaltet. Schließlich bin ich alt genug, niemanden mehr um Erlaubnis zu fragen.
An der Schnellkasse hilft ein Mitarbeiter beim Einscannen. Die Klimaanlage verweigert weiterhin jede Form von Kooperation. Sie passt weder aufs Band noch in mein Konzept eines entspannten Einkaufs. Vor dem Auto beginnt die nächste Herausforderung. Wie bekommt man eine Klimaanlage in einen Kofferraum?
Antwort: mit einem weiteren jungen Mann.
Zum zweiten Mal an diesem Tag rettet mich die Jugend Deutschlands vor einer öffentlichen Niederlage. Schweißgebadet fahre ich nach Hause. Kurz vor der Ausfahrt nimmt mir beinahe ein anderes Auto die Vorfahrt. Der Fahrer findet offensichtlich die Ausfahrt nicht. Das kenne ich. Dort war ich auch schon.
Zu Hause schleppe ich das Gerät aus dem Auto, über fünf Stufen und schließlich ins Haus. Als das Monstrum endlich im Wohnzimmer steht, bin ich unendlich glücklich. Leider ist mein Kopf inzwischen so hitzegeschädigt, dass ich beschließe, auf meinen Mann zu warten. Irgendjemand muss das Gerät schließlich anschließen.
Als er nach Hause kommt, studieren wir gemeinsam die Bedienungsanleitung. Auf den ersten Blick wirkt sie wie die Abschlussprüfung für Elektrotechnik. Die erste Überschwemmung folgt keine Stunde später. Lucky wirft einen Becher Wasser um.
Nun sitze ich vor meiner neuen
Klimaanlage und beobachte den nassen Boden. Wenn alles gut geht,
trocknet er wieder. Wenn nicht, hebt sich das Laminat und wir
besitzen bald den ersten Indoor-Wellengang in Tübingen.
Wünsche allen entspanntes Schwitzen
Mike Melonte
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