Dienstag, 23. Juni 2026

Erst Jahrzehnte später

Schon als Kind zieht mich das Wasser an. Schritt für Schritt gehe ich hinein. Oft etwas zu weit. Immer wieder schwappt Wasser über meinen Kopf. Schwimmen lernen ist nicht einfach. Der Schwimmring wird zur Rettung, später die Schwimmflügel.

Wasser begleitet mich mein ganzes Leben. Mal in Form von Tränen über versäumte Chancen. Mal als trotzig zurückgehaltene Einsichten. Erst Jahrzehnte später lerne ich, manches an mir abperlen zu lassen.

Oft sitze ich an einem Weiher und schaue auf die ruhige Oberfläche. Besonders am Schleifmühlweiher. Dort scheint die Welt für einen Augenblick langsamer zu werden.

Vielleicht berührt uns Wasser deshalb so tief. Es spiegelt, was in uns vorgeht.

Auch Worte können Wellen schlagen. Ein einziger Satz reicht aus, um einen ganzen Tag zu versauen. Streit hinterlässt Spuren. Trennungen. Verletzungen ziehen Kreise wie ein Stein auf der Wasseroberfläche.

Doch nicht jede Welle kündigt einen Sturm an. Manche Konflikte gleichen einer frischen Brise. Sie bringen etwas in Bewegung. Was für mich einen blinden Fleck darstellt. Haben andere längst entdeckt und stellen Fragen.

Vielleicht kehre ich deshalb immer wieder ans Wasser zurück. Dort erinnert mich alles daran, dass selbst die größten Wellen irgendwann verebben.

Servus
Mike Melonte

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