Draußen gibt die Sonne den Weg frei für die Sterne und den Abendhimmel. Der Luftzug ist kühl. Der Sommer ist vorbei. Was bleibt, trägt sich im Herzen fort. Die lauen Nächte unter Bäumen in gemütlicher Runde. Das Meeresrauschen am Strand war gestern. Die Kieselsteine geben unter jedem Schritt nach. Weich rutschen sie in die Versenkung. Der Fußabdruck bleibt.
An diesem Abend ist es unumstößlich. Das helle Gelächter fehlt. Die langen Gespräche bleiben aus.
Still ist es geworden, obwohl der Fernseher läuft. Die Hunde bellen gleichzeitig. Im Nachbarhaus kommt Besuch. Schnell surren die Rollläden herunter. Wie peinlich, dass die Hunde am Fenster hängen wie alte Leute und den Nachbarn beobachten. Hunde können viel mehr. Sie petzen jede Bewegung. Könnte ja von großer Wichtigkeit sein.
Der Postbote ist der Ärmste von allen. Wenn er kommt, ist das die Ankündigung von Gefahr. Mit lautem Kriegsgeschrei wird der arme Mann kommentiert. „So ein gelber Fahrradfahrer hat hier nichts zu suchen.“ Täglich warte ich darauf, dass einer der Hunde durch das Fenster springt und den Postboten an seiner Berufsausübung hindert.
Und dann bekommt mein Mann eine Nachricht über WhatsApp. Er hört sie ab. Markus ist tot.
Blutsverwandtschaft ist etwas Einzigartiges. Sie gehören zur Familie. Nachbarn gibt es wie Sand am Meer. Natürlich ist der Nachbar auch super, mit dem jeden Tag ein paar Worte gewechselt werden und dessen Hund auch mal zu Besuch zu uns kommt. Ein toller Nachbar, auf den ich mich verlassen kann. Eine gute Nachbarschaft muss wachsen. Sie hängt zum großen Teil an den eigenen Erwartungen und lässt Wohnqualität zu einem hohen Gut werden. Aber nicht alle haben einen Nachbarn, der freundlich ist und vertrauensvoll auch mal zuhört.
Und dann gibt es die Blutsverwandtschaft. Menschen, die nicht jeden Tag vor der Tür stehen und trotzdem da sind. Markus suchte den Kontakt. Er kommunizierte gerne.
Ich muss daran denken, wie ich ihm zum ersten Mal die Hand drückte. Er hatte große Hände, aber seine Hand war weich, fast zart. Damals dachte ich nicht weiter darüber nach. Jetzt sehe ich diese Hand vor mir. Wie würde sie sich anfühlen, wenn ich sie noch einmal drücken könnte? Eisig.
Und dann rieche ich sein Rasierwasser im Raum. Wo kommt denn der Geruch her? Er gehört zu dem Menschen, der mir einfach einen Besuch abstattet, der mich in seine Gedankenwelt mitnimmt. Mehr noch, er hat sein Wissen geteilt.
Passt auf euch auf!
Liebe Grüße
Mike Melonte
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