Freitag, 26. Juni 2026

Waldpatrouille macht ernst

Schon als Kind wollte ich reisen. Weit entfernte Länder kennenlernen. Exotische Tiere beobachten. Durch dichte Wälder streifen. Viel ist daraus nicht geworden. Das Leben hat offenbar einen eigenen Reiseveranstalter engagiert und der bucht bevorzugt den Rundweg ums Dorf.

Geblieben sind mir die täglichen Expeditionen mit meinen Hunden. Ehrlich gesagt, reicht das oft völlig. Ich weiß schließlich nie, welche Wildnis hinter der nächsten Kurve lauert.

Ab und zu begegnet uns ein Fuchs. Erst neulich schießt er wie eine Rakete über die Felder und verschwindet im Wald. Mit dieser Geschwindigkeit ist Izzy hoffnungslos überfordert. Sie bevorzugt die gemütliche Variante des Spazierengehens. Am liebsten lässt sie sich ziehen und tut dabei so, als hätte sie das erfunden. Lucky dagegen rennt grundsätzlich voraus. Warum sollte er sich hinter jemandem anstellen, der den Spaziergang eher als meditative Gehübung versteht?

Völlig anders sieht die Lage bei dicken Brummhummeln aus. Sie gelten bei Lucky als hochgefährliche Flugobjekte und müssen sofort unschädlich gemacht werden. Ob sie ihn jemals angegriffen haben, bleibt ungeklärt. Vermutlich handelt es sich um eine alte Familienfehde.

Auch Hasen kreuzen gelegentlich unseren Weg. Dann funktionieren plötzlich beide Hunde gleichzeitig. Meister Lampe wird mit der Aufmerksamkeit eines Olympiasiegers beobachtet. Hinterherrennen würden sie gern. Klappt nur selten.

Erst vorgestern steht der Nachbarshund mit einem Hasen im Maul vor seinem Gartentor. Nicht als Mittagessen, sondern als Rettungseinsatz am späten Abend. Meister Lampe war gegen ein Fahrrad gelaufen und der Hund hielt ihn vorsichtig wie eine Katze am Genick fest. Kaum zu Hause angekommen, setzte er den Patienten wieder ab. Statt Hasenbraten gab es großes Rätselraten, wie der verdatterte Hase anschließend durch den Zaun verschwinden konnte. Wahrscheinlich wollte er sich nicht auch noch für die Rettungsaktion bedanken müssen.

Zum Glück haben meine beiden davon nichts mitbekommen. Dafür begegnet uns am frühen Morgen ein Igel. Mitten auf dem Weg steht er kampfbereit da, als hätte er den Wald übernommen und kontrolliere nun die Einreise.

Pfeilgerade starrt er uns an. Hätte er sich jetzt noch auf die Hinterbeine gestellt, ich hätte freiwillig den Rückzug angetreten. Schnell zücke ich mein Handy und mache ein Foto. Kaum setze ich mich wieder in Bewegung, rennt der Igel tatsächlich los. Ja, ein Igel kann rennen. Auf der anderen Straßenseite angekommen, wirft er sich schlagartig in seine Stachelkugel und spielt den Ahnungslosen. Für meine beiden Racker ist die Beute damit verschwunden. Ich glaube der Wald hat seine eigenen Regeln und könnte mir vorstellen, dass er sich seinen eigenen Türsteher leistet.

Schönes Wochenende
Mike Melonte

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen