Samstag, 27. Juni 2026

Smaltalk auf vier Pfoten

Kaum trete ich vor die Haustür, kläfft Izzy die halbe Nachbarschaft zusammen. Warum? Udo spaziert mit seinem Hund um 6.15 Uhr am heiligen Samstagmorgen an meinem Auto vorbei. Hätte er nicht einfach drei Minuten später loslaufen können? Rücksicht ist schließlich keine Einbahnstraße.

Im Wald wird es gleich spannend. Kaum sind wir auf der Strecke, kommt uns eine Radfahrerin entgegen. Sie trödelt vor sich hin und fährt Schlangenlinien, als hätte der Alkohol vom Vorabend noch ein Mitspracherecht. Ein Blick auf meine beiden Racker genügt, und schon bekommt sie Angst. Ich bleibe stehen. Es ist schließlich nicht meine Aufgabe, ihre Fahrtauglichkeit zu überprüfen.

Am Friedhof begegnen wir der älteren Dame, die wir inzwischen gut kennen. Ihr Hund hält sich gelassen zurück, er will seine Ruhe und Ärger aus dem Weg gehen. Heute will ich es wissen. Mit dem Kommando „Fuß“ marschiere ich los und schaffe es gerade noch, selbst auf den Beinen zu bleiben. Viel hat nicht gefehlt, und ich hätte mich vor versammelter Hundewelt der Länge nach hingelegt.

Ich gehe zügig weiter. Lucky zieht nach vorne, Izzy kommentiert lautstark das Weltgeschehen. Der Dame dürfte klar sein: Heute ist kein guter Tag für einen Smaltalk. Vielleicht beim nächsten Mal.

Ein Stück weiter tauchen gleich drei Hundehalter auf. Vorsorglich biege ich über die Streuobstwiese ab. Irgendwo höre ich nur noch: „Komm hier! Komm hierher!“ Na, wenn der Freigänger unbedingt Kontakt aufnehmen möchte – Izzy ist heute bestens gelaunt. Lucky dagegen überrascht mich. Er bleibt gelassen. Vermutlich hebt er sich seine Meinung für später auf.

Kurz darauf kommt mir ein kleiner Hund entgegen. Er sieht aus, als hätte sich eine Handtasche selbstständig gemacht. Seine Besitzerin weicht freundlich in einen Feldweg aus.

Vielen Dank“, rufe ich.

Sehr gerne“, antwortet sie.

Siehe da: Es passiert… gar nichts. Keine Oper, kein Theater, keine diplomatische Krise. Ich bin jedes Mal dankbar für Hundehalter, die einfach mitdenken.

Auf dem Rückweg wartet noch die Schwergewichtsklasse. Ein Schäferhundmischling baut sich vor uns auf, macht einen Schritt nach vorn und wirkt, als wolle er die Weltherrschaft übernehmen. Ich sage freundlich: „Alles entspannt.“

Sein Frauchen würdigt mich keines Blickes. Sie packt ihren Kandidaten am Geschirr und zieht ihn mit beeindruckender Muskelkraft an uns vorbei, als würde sie einen widerspenstigen Einkaufswagen aus dem Baumarkt bugsieren.

Eigentlich brauche ich gar keinen Sport. Fünftausend Schritte mit Izzy und Lucky ersetzen jedes Fitnessstudio. Knie, Arme, Rücken und Reaktionsvermögen werden gleichermaßen trainiert – inklusive kostenlosem Adrenalinschub.

Herzlichst 
Mike Melonte


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