Donnerstag, 9. Juli 2026

Gustavs Traumwohnung

 

Gustav verzieht die Unterlippe und stülpt sie weit nach außen. Die Hitze in der Nacht ist kaum auszuhalten. Seine Wohnung gleicht einem Backofen. Die Fliegen schwirren im Pulk um seine Lampe. Er setzt  sich in seinen Gartenstuhl. Weich kippt er nach hinten. Schläft sofort ein.

Er träumt von einem prächtigen Altbau. Gekühlte Zimmer lichtdurchflutet. Hohe Decken frish gestrichen. Ein Badezimmer so groß wie seine ganze Wohnung. Im Spiegel bewundert er einen rot-weiß gestreiften Schlafanzug. Sein Gesicht ist frisch rasiert. Entscheidend ist, dass er darin deutlich schlanker aussieht.

Als er das Licht einschalten will, findet er den Schalter nicht. Er hängt außen. So etwas können sich nur Architekten ausdenken.

Auf dem Rückweg entdeckt Gustav einen geheimen Gang und gelangt von draußen wieder ins Badezimmer. Plötzlich öffnet sich die Schlafzimmertür. Eine ältere Dame zieht geschniegelt das Bett glatt. Keine Staubflusen. Keine Spinnweben. Alles staubfrei  wie im Möbelhaus. Endlich eine Wohnung nach seinen Ansprühen. 

Gustav nickt anerkennend.

„So gehört sich das.“ Erst da fällt ihm auf.

„Moment mal ... ich bin ja im Hotel!“

Mit einem Schlag ist er hellwach. Seine Wohnung empfängt ihn mit dreißig Grad Raumtemperatur. Die Eiswürfeltüte auf dem Nachttisch fließt dahin. 

Gustav greift zum Telefon. „Karl?“

„Was ist denn jetzt schon wieder?“

„Sag mal, hat deine Frau noch ihre Badewanne?“

„Ja.“

„Und putzt sie auch?“

„Manchmal. Wieso?“

Gustav seufzt.

„Ich überlege gerade, ob ein Hotel auf Dauer nicht doch günstiger ist. Da sind die Nebenkosten wenigstens schon im Preis drin.“

Karl schweigt.

„Gustav, du weißt schon, dass man dort auch jeden Morgen bezahlen muss?“

Gustav überlegt einen Moment.

„Nicht, wenn ich lange genug schlafe.“

Frohes Schwitzen
Mike Melonte

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