Donnerstag, 18. Juni 2026

Der Hund, über den ich mich aufregte

Heute Nacht ist im Schlafzimmer bereits die Hitze des Tages zu spüren. Deshalb steht das Fenster offen, der Rollladen ist unten. Trotzdem werde ich mitten in der Nacht von einem lauten Geräusch geweckt.

Der monotone Dauerton zieht mich aus dem Bett auf den Balkon. In unmittelbarer Nähe steht ein Hubschrauber mit greller Beleuchtung nahezu regungslos in der Luft. Ich frage mich, welcher Notfall eingetreten ist, und bin gleichzeitig dankbar für die Möglichkeiten, Menschen heute zu retten.

Zu gern würde ich auf dem Balkon schlafen, doch die Rotoren des Hubschraubers sind mir zu laut. Insgeheim wünsche ich dem Menschen, der Hilfe bekommt, alles Gute. Bis dahin gehe ich noch von einem medizinischen Notfall aus. Erst am nächsten Morgen wird im Polizeibericht ein vermisster sechsjähriger Junge gemeldet.

Als ich wieder ins Haus gehe und die Balkontür hinter mir schließe, bin ich sehr froh, zurück ins Bett kriechen zu können. Ich schlafe sofort wieder ein.

Irgendwann geht es mit den Störungen weiter. Ein Hund bellt. Mitten in der Nacht. Was für ein Hundehalter ist das denn?

Entsetzt darüber, wie manche Menschen ihre Tiere vernachlässigen, geht meine bessere Hälfte auf den Balkon und lässt Izzy wieder herein.

Sie ist mir in der Nacht gefolgt. Weil sie schwarz ist, habe ich sie nicht gesehen. Also blieb sie auf dem Balkon zurück. Es war warm, sie musste nicht frieren. Den Zeitungsausträger allerdings hat sie offenbar gehörig frisch gemacht.

Der nächtliche Hundebesitzer, über den ich mich eben noch aufgeregt habe, war am Ende niemand anderes als ich selbst.


Liebe Grüße
Mike Melonte

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