Mittwoch, 25. März 2026

Stricken – unterschätzt gefährlich

Ist es pure Langeweile, die mich zu den Stricknadeln treibt?
Den Worten will ich entrinnen und nur kurz stricken. Im Kopf habe ich 
so ein tolles Muster. Wirklich ganz harmlos.

Eigentlich will ich einen Strickroman schreiben.
Aber die Muster in meinem Kopf drängeln sich ständig vor.

Stricken erhebt sich zum Eigenleben.
Wolle häuft sich auf meinem Tisch. Die Präsenz der Stricknadeln 
nimmt zu. 
Stark. Stur. Dann sogar störrisch.

Die Wolle türmt sich auf, verschränkt die Arme und sagt:
„Heute wird nichts anderes gemacht.“

Ich denke: Ach komm, ein bisschen Auszeit, vielleicht ein Kaffee dazu.
Potzblitz …

Das Papier vor mir hat andere Pläne, hüpft zur Seite und ist beleidigt.
Die steilen Ansprüche des Krimis und seine stolzen Eigenheiten machen mich platt.

Also greife ich zur Wolle.
Die Nadel – wie immer langgestreckt und selbstbewusst.

Und plötzlich geht es los:
strecken, recken, denken – und wieder von vorn.
Maschen benehmen sich wie kleine Kinder:
die einen brav, die anderen laufen einfach davon.

Zwischendurch dieses Schimmern:
„Das wird schön“, flüstere ich mir selbst zu.
Und fünf Minuten später:
„Was um alles in der Welt ist das geworden? Ein Hut? Eine Tasche? Ein philosophisches Problem?“

Stricken schützt übrigens nicht vor Chaos.
Aber es sieht dabei sehr ordentlich aus.

Am Ende liegt da etwas.
Vielleicht ein Pullover. Vielleicht ein sehr kreativer Socken.
Oder einfach nur der Beweis, dass ich mich habe überreden lassen – von einem einzigen Wort.

Und das ist vielleicht das Gefährlichste daran:
Man fängt mit Stricken an
und hört mit Geschichten auf.

Liebe Grüße
Mike Melonte

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