An der Terracotta farbigen Wand hängen keine Bilder. Die gegenüberliegende Wand ist weiß gekachelt. Eine runde Badewanne auf Hochglanz poliert, gibt mir inneren Frieden. Ich liebe baden.
Auf einmal zieht ein lauer Duft an mir vorbei. Ich lokalisiere die Quelle, den strengen Geruch und versuche zu ergründen, was so riechen könnte. Zur Sicherheit schaue ich auf meinen Schoß. Erleichtert komme ich zu dem Ergebnis. Ich bin es nicht!
Die Frau in Sportschuhen, lockerer Hose und einem grünen T-Shirt lächelt mich an. Mir ist weder nach Smalltalk noch nach Lächeln. Der Bauch drückt. Übergewicht kontert die Waage, denn die Freundliche will mein Gewicht wissen und schreibt es auf. Tatsächlich sind die vielen Pfunde auch mehr eine Strafe als ein Glück. Im Stillen zähle ich die Minuten. In der Hoffnung es möge bald vorbei sein. Unvermittelt packt sie mich bei meinen Gedankengängen und fragt: „Trinken sie morgens Urin.“ Im letzten Moment halte ich mich an einem Chromhalter rechts fest.
Ansonsten wäre ich heruntergefallen vor Schreck. Obwohl es der gleiche Stuhl wie beim Frauenarzt ist, kann ich mich an diese Haltung nicht gewöhnen. Doch seit ein paar Monaten ist selbst Sitzen eine Herausforderung. Ich bin zu fett, eindeutig. Wie hatte es nur soweit kommen können?
Endlich werden die Schmerzintervalle kürzer. Dazwischen frage ich nach: Kann ich mit dem Urin auch noch etwas anderes machen?“
„Aber klar doch. Das Haar wird dichter. Pressen sie noch einmal, gleich haben sie es geschafft.“
Kann ich oder eben auch nicht volles Haar besitzen. Mir läuft der Schweiß die Stirn herunter. Ich schreie aus Leibeskräften. Nein, niemals werde ich meinem Kind die Haare mit Urin waschen, damit es Locken bekommt, auch wenn es gleich mit Glatze auf die Welt kommt.
Traut Euch!
Herzliche Grüße
Mike Melonte
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