Das Sofa ist bedeckt mit einer Rolle Papier. Eine Toilettenrolle musste herhalten, nachdem immer eine Rolle zur Sicherheit im Clo steht. Viel zu schnell ist mein vierbeiniger Freund in der Wohnung unterwegs. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird konfisziert. In Stücke zerrissen, bis der Boden aussieht, als sei hier ein Künstler am Werk.
Vor Jahren bin ich Teil einer Gruppe, in der ein Einzelner an einer Supervision teilnimmt. Der Rest der Gruppe schaut als Zaungast zu. Der Supervisand sitzt in dem Setting dem Supervisor zur Seite oder gegenüber. Ich erinnere mich an die gleichen Gefühle wie eben beim Aufräumen der Schnipsel, denn beim Zuschauen kann ich keine eigene Meinung abgeben. Seit mein neuer Freund Bobbel bei mir wohnt, wird mir nicht mehr langweilig. Das hat schon etwas. Vorher lag ich untätig auf dem Sofa. Schaute Netflix Serien und wollte ein wenig Bewegung.
Seit einem halben Jahr ist Bobbel ein neues Familienmitglied. Er kennt sich aus in meinem Haushalt. Von der Couch mit einem Sprung auf den Tisch, damit der Blick aus dem Fenster leichter zum Nachbar ist. Als Turbo Hund ist Bobbel immer gut gelaunt. Sein Schlachtruf lautet: Auf zu neuen Abenteuern! Dabei ist es völlig unerheblich, was ihm begegnet. Alles wird in die Schnauze genommen. Die ersten fünf Tage kann ich nicht schlafen. Bobbel auch nicht. Am Ende der Woche landen wir beim Tierarzt als Notfall. Die versehentlich heruntergefallene Knopfbatterie verschwindet in atemberaubender Geschwindigkeit in seinem Schlund. Mit einer Spritze kommt
alles wieder heraus. In Handschuhen untersucht der Tierarzt das Erbrochene. Leider kommen auch andere Gegenstände wieder heraus. Wie abgebissene Kabelbinder. Ich weiß gar nicht, wo die bei mir angebracht sind.
Besonders gefällt ihm der Durchgang zum Nachbarn. Wochen davor gab es ordentlich Unwetter. In kurzer Zeit überflutete die Kanalisation. Die Tanne in unserem Garten gibt die Krone frei. Befreit von jeglicher Moral, bleiben die Äste auf dem benachbarten Zaun hängen. Der zusammengedrückte alte Zaun sieht schon lange nicht mehr gut aus. Jetzt bietet meinem Turbo Hund die einmalige Gelegenheit, unter dem Zaun, auf das Nachbargrundstück zu verschwinden. In dem heranwachsenden Jüngling entfachen die Hormone neuer Eindrücke. Die Pubertät wütet in dem kleinen Körper als sei Krieg ausgebrochen. Auf und davon sobald ich meine Schuhe anziehe und an jedem Türposten erstmal erleichtern mit ein paar Pipisspritzer. So schnell kann ich nicht gucken, wie das von statten geht.
Neuerdings hilft er mit der Nase nach. Quetscht solange seinen Zinken in die Ritze und schon ist die Tür offen. Drei Mal hat er auf der Straße seinen Astralkörper zu Schau gestellt. Raus auf die Straße. Die Autofahrer sollen gefälligst aufpassen. Hinter ihm her ist, mein Gedanke. Was mach ich bloß, wenn es einen Unfall gibt? Ich werde dringend eine Versicherung abschließen. Mein Mann kann ihn einfangen. Frauen findet er doof, deshalb geht er ihnen aus dem Weg.
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